Ohrenfeindt im Meisenfrei in Bremen
von musicampus | 18. November 2009 | 10:01 Uhr
Heute abend wird im Meisenfrei in Bremen der Keller beben, denn die St. Pauli Vollgasrocker Ohrenfeindt geben dort ihr diesjähriges Bremer Konzert. Die Bremer Rock- und Blues-Kultkneipe bietet wohl das beste Ambiente, das sich eine Band vorstellen kann. Um das Publikum müssen sich die drei Musiker sicher keine Sorgen machen. Beim letzten Konzert im Moments war es brechend voll und wegen der überschaubaren Anzahl der Ohrenfeindt Besuche in der Hansestadt kann ich mir vorstellen, dass es heute eng wird, da Ohrenfeindt mittlerweile einen ansehnlichen Fankreis erspielt hat.
Wer mit dem Gedanken spielt, sich von den Live-Qualitäten des Power-Trios überzeugen zu wollen, sollte sich rechtzeitig vor 20:00 Uhr im Meisenfrei einfinden, um noch einen guten Platz zu ergattern. Wer wie ich heute nicht zum Konzert kommen kann, findet auf Ohrenfeindts Website die kommenden Termine.
Kongo Skulls | Perfect Suicide
von musicampus | 17. November 2009 | 10:34 Uhr
Mit den Kongo Skulls, die am 07.11.2009 nach ihrem Debütalbum Asshole nun mit Perfect Suicide das Nachfolgealbum veröffentlicht haben, landete wieder ein Album der härteren Gangart auf meinem Schreibtisch. Die Hamburger Band, die auf der legendären Reeperbahn im Herzen St. Paulis beheimatet ist, legt ein Werk vor, das mit seinen dreizehn Titeln und einer Spielzeit von etwas mehr als 44 Minuten an die gute alte LP Tradition anknüpft. Überhaupt ist das Credo der Band die Ursprünglichkeit und sie legt Wert darauf, dass die brachiale Kraft des von ihr gespielten Bluesrock ungeschönt auf den Tonträger gebannt wird.
Ziel scheint, dass die Energie der Live-Auftritte des Trios eingefangen und den Zuhörern zugängig gemacht werden soll, die sich bisher noch keinen Eindruck von den Qualitäten der Kongo Skulls verschaffen konnten. Hier werden mit harten Riffs, Breaks, Wah-Wah, Doublebass, Cowbell und fetten Basslinien sämtliche Register gezogen, um es ordentlich krachen zu lassen.
Und wie es kracht, kann man sich auf ihrer Website und bei der obligatorischen MySpace Seite anhören.
Dass man mit Rockmusik bei mir offene Türen einrennt, dürfte mittlerweile bekannt sein. Wieder einmal habe ich meinen Horizont erweitern können und freue mich, dass weitab vom Mainstream noch Musik gemacht wird, die das Etikett Rock verdient. Das Album Perfect Suicide hebt sich erfreulich vom glattgebügelten Cash Trash von durch Plattenfirmen durchgestylte und zielgruppenkompatibel gemachte Bands ab, der der heutigen Jugend von den Konzernen als Rockmusik kredenzt wird. Auch wenn in den zuletzt genannten Kreisen Image Alles ist, finde ich, es muss nicht alles Image sein.
Fotos: Axel Kuschur
The xPlode
von musicampus | 13. November 2009 | 14:44 Uhr
Als ich vor ein paar Wochen im Cubeaudio Tonstudio war, hat mir Nadine nach dem Interview eine junge Band ans Herz gelegt, die trotz – oder gerade wegen – des jugendlichen Alters der Musiker schon beachtliche Erfolge erzielen konnte, The xPlode. Hinter diesem Namen verbergen sich die vier Musiker Teo Hentzschel (voc), Bo Zillmann (git), Michael Kasper (b) und Magnus Frey (dr), die alle zwischen 19 und 21 Jahre alt sind. Bo und Teo haben schon vor Gründung von The xPlode gemeinsam in einer Band gespielt, die dann aus musikalischen Gründen umformiert wurde. Michael und Magnus, welche schon eine Weile in einer anderen Band zusammengespielt haben, stießen hinzu.
The xPlode treten mit klaren Zielen in die harte Bandarbeit ein und wollen nicht weniger, als mit ihrer Musik auf den “Rock Olymp” klettern, nationale wie internationale Erfolge feiern sowie möglichst viele Menschen auf der ganzen Welt mit ihrer Musik erreichen und glücklich machen. Getreu dem Motto, dass der Mensch mit seinen Aufgaben wachse und dabei stets sein Ziel im Blick behalten sollte, haben sie die ersten wichtige Schritte bereits erfolgreich getan und beispielsweise den zweiten Platz beim bundesweiten VIVA- Schooljam Bandcontest und den dritten Platz beim landesweiten Play-Live-Contest gewonnen. Zweimal belegten sie sogar den ersten Platz beim regionalen Support your local Act Contest.
Sie waren Support von Revolverheld, Teilnehmer beim Rain Before Seven Concert Tribute Konzert für Fraser Cameron und spielten auf dem Red-Bull Tourbus sowie auf dem Mini-Rock Festival in Horb am Neckar.
Anfang 2009 waren Sie mit dem Produzenten Markus Gumball im Cubeaudio Studio bei Göttingen, um eine EP mit drei Singles zu produzieren. Diese EP konnte ich mir mittlerweile mehrfach anhören und ich muss sagen, dass die Jungs richtig erwachsen klingen und harte Riffs mit eingängigen Melodien gekonnt verbinden.
Wer sich ein Bild über die Band möchte, kann sich auf deren MySpace Seite Songs anhören und Videos anschauen.
Wie ich erfahren habe, stehen die endgültigen Tourdaten noch nicht fest. Wer die Band einmal live erleben möchte, müsste sich über MySpace informieren.
Young@Heart heute im WDR
von musicampus | 12. November 2009 | 09:34 Uhr
Ganz kurzfristig habe ich meine Pläne für den heutigen Beitrag umdisponiert, da ich unbedingt auf den Film Young@Heart aufmerksam möchte, der heute – leider erst um 23:15 Uhr – im WDR gezeigt wird. Letzten Herbst habe ich diesen Film im Bremer Filmkunsttheater Gondel gesehen und war von dieser Reportage über einen Chor aus mindestens 70jährigen sehr beeindruckt. Das Besondere am Chor Young@Heart aus Northampton, Massachusetts ist, dass er trotz des hohen Alters der Mitglieder Rocksongs singt. Von Purple Haze von Jimi Hendrix bis Fix you von Coldplay probt der Chor ein erstaunliches Repertoire und führt es auch regelmäßig auf.
Wer heute die Gelegenheit hat, sich diesen Film anzuschauen, sollte diese beim Schopfe greifen. Ich bin mir sicher, dass es sich lohnen wird. Ansonsten besteht ja auch noch die Möglichkeit, den Film aufzunehmen und am Wochenende zu schauen.
Frank Ramond | Große Jungs
von musicampus | 11. November 2009 | 11:40 Uhr
Wenn zufällig ein Ereignis eintritt, das mich positiv überrascht und ich dabei zudem etwas lerne, stellt sich bei mir eine Grundzufriedenheit ein, von der ich lange zehren kann. So ist es auch bei der Ankündigung des Debütalbums Große Jungs von Frank Ramond geschehen. Zunächst einmal fragte ich mich ernsthaft, ob ich Frank Ramond kennen müsste, weil mir dessen Name nicht geläufig war. Dass ich aber seit einigen Jahren so etwas wie ein Freund seiner Kunst bin, wurde mir erst bewusst, als ich mich mit ihm zu beschäftigen begann.
Leser meines Blogs und Hörer meines Podcasts wissen, dass ich ein nicht ganz ungespaltenes Verhältnis zu Liedern mit deutschen Texten habe. Dass das unmittelbare Verstehen deutscher Texte beim Hören – im Gegensatz zu dem englischer oder französischer Texte – ein Lied entzaubern kann, weil die darin häufig verarbeiteten und preisgegeben Banalitäten oft wie ein Schlag ins Gesicht wirken, mag ein Grund sein.
Zu oft versinken meines Erachtens die Texte der deutschsprachigen Künstler – und ich betrachte noch nicht einmal Schlager oder volkstümliche Musik – im unheilvollen Dreieck aus Seichtigkeit, Betroffenheit und Missionierungsdrang. Oder in geradezu erschreckender Plattheit, die dem Ruf der Deutschen, ein Volk der Dichter und Denker zu sein, in keiner Weise gerecht wird und geradezu karikiert.
Vor einigen Jahren nahm ich mehr oder weniger unterbewusst wahr, dass ich bei einigen Künstlern beim Hören derer Lieder die Musik ausblendete und dem Inhalt der Texte zuhörte. So richtig begeistern konnte ich mich für Annett Louisans Das alles wär’ nie passiert und Lieber Orangenhaut (als gar kein Profil) von Ina Müller, weil hier Geschichten aus dem Leben so pointiert und überraschend erzählt werden, dass man einfach zuhören muss.
Autor dieser kleinen Geschichten und vieler anderer, die von weiteren Künstlern wie Roger Cicero oder Barbara Schöneberger interpretiert wurden, ist Frank Ramond. Der hat nun beschlossen, die Seiten zu wechseln und seine kleinen Geschichten als Singer/Songwriter selbst authentisch zu interpretieren. Das Ergebnis ist das bereits angesprochene Album Große Jungs.
Frank Ramond interpretiert darin dreizehn Kompositionen, die ihr Vorbild in den großen Chansons der Hochblüte französischer Musik haben und die mit lateinamerikanischen Anlehnungen verfeinert werden. Erstaunlich ist dabei seine Stimme, die unglaublich sympathisch mit einem unverwechselbaren Timbre versehen ist. Warum, fragt man sich, hat er erst jetzt sein Debüt als Sänger gegeben?
Das Album gefällt mir außerordentlich gut und hat große Chancen, Bestandteil des Soundtrack of my Life zu werden. Es sind die überraschenden Enden und die allgegenwärtige Ironie, die das Werk so hörenswert machen. Auch musikalisch gibt es überhaupt nichts zu kritisieren. Eingängige Melodien gepaart mit Arrangements, die keine Wünsche offen lassen, machen die dreizehn Lieder zu einem Hörerlebnis.
Heute abend ist Frank Ramond um 18:30 Uhr zu Gast bei rbb (TV) in der Sendung “zibb”.
Tourdaten:
12.11.2009 Zürich
13.11.2009 Niedernhausen
15.11.2009 Stuttgart
16.11.2009 Ulm
17.11.2009 Dresden
22.11.2009 Wien
23.11.2009 Linz
24.11.2009 Nürnberg
27.11.2009 Erfurt
29.11.2009 Oberhausen
Hier ist er gemeinsam mit Ina Müller auf ihrer Liebe macht taub -Tour zu sehen.
Bon Jovi | The Circle
von musicampus | 10. November 2009 | 09:55 Uhr
Bon Jovi gehören seit jeher zu der Sorte von Bands, die extrem polarisieren. Verkennen die einen Bon Jovi als Poser, weichgespülte Frauenversteherband oder mainstreamorientierte Popmaschinerie, gelten sie für die anderen als unantastbare Ikone der Rockmusik, die seit gut 25 Jahren ihren Platz im Rockolymp behaupten. Die Wahrheit wird vermutlich wie immer irgendwo zwischen den beiden Extremen liegen. Eher zufällig fiel mir gestern das aktuelle Album The Circle in die Hände, das die Rocker aus New Jersey offenbar klammheimlich produziert und veröffentlicht haben. Zumindest kam die Veröffentlichung für mich völlig überraschend.
Genauso überraschend war, dass Bon Jovi beim gestrigen Festakt zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ihre erste Singleauskopplung We weren’t born to follow vor dem Brandenburger Tor präsentierten.
Das Album klingt wenig überraschend einfach nach Bon Jovi. Da werden keine neuen Wege beschritten und es wird auf Bewährtes zurückgegriffen, was aber ähnlich wie bei den Rolling Stones oder AC/DC den besonderen Reiz bei dieser Band ausmacht. The Circle klingt gewohnt druckvoll im typisch poppigen Bon Jovi Rock, gitarrenlastig mit bombastischem Backgroundgesang. Insgesamt wurden wieder sämtliche produktionstechnische Register gezogen. So ist die Produktion wieder sehr voluminös geworden und klingt sehr plastisch.
Mir gefällt ja der Stil, wie Richie Sambora Gitarre spielt und wem es wie mir geht, wird manches Mal erfreut den Lautstärkeregler während des Gitarrensolos hochdrehen.
Insgesamt ist The Circle wieder ein Album, bei dem Bon Jovi Freunde glänzende Augen bekommen, während der Rest wie gehabt keine freundlichen Worte übrig haben dürfte.
Foto: © 2009 Kevin Westenberg
Blue Man Group | Show wurde überarbeitet
von musicampus | 9. November 2009 | 11:12 Uhr
Vor zweieinhalb Jahren war ich mit der MixTape-Fee in Berlin, wo wir uns im BLUEMAX Theater Berlin die Show der Blue Man Group angeschaut haben. Das war ein ganz besonderes Ereignis, das jedem zu empfehlen ist, der eine Reise in die Hauptstadt plant. Die Show aus New York City ist einzigartig, weil hier Musik, Comedy, Kunst und Wissenschaft so miteinander verbunden werden, dass Worte fast überflüssig sind. Diese Mischung ist witzig und immer wieder überraschend. Begleitet von Livemusikern rocken die Künstler und begeistern das Publikum.
Seit der Deutschlandpremiere 2004 haben bereits über 1,75 Millionen Zuschauer die Show gesehen. Damit ist sie die erfolgreichste Show in Berlin und ich kann mit dem Brustton der Überzeugung behaupten, dass wir zu den mehr als 70% der Besucher gehören, die als Touristen aus dem In-und Ausland dabei waren.
Damit noch mehr internationales Publikum den Weg zum Potsdamer Platz findet, wurde die Show überarbeitet. Es wurden englischsprachige Texte eingefügt, Szenen überarbeitet und Showelemente verändert. Dabei wurde von dem amerikanischen und deutschem Kreativteam der Focus darauf gelegt, dass die Show sowohl für die deutschsprachigen als auch für die englischsprachigen Besucher weiterhin verständlich bleibt. Neu ist auch, dass das Show-Ende überarbeitet wurde.
Obwohl ich Fan der Hauptstadt bin und es genug Sehenswertes gibt, das ich bisher noch nicht anschauen konnte, wäre die Überarbeitung der Blue Man Group ein Anreiz, wieder einmal die Reise nach Berlin anzutreten.
Diejenigen, die die Blue Man Group noch nicht kennen, können sich hier einen Überblick verschaffen.
Alice Hive | Shattentak
von musicampus | 9. November 2009 | 09:42 Uhr
Wenn junge Künstler unkonventionelle Wege beschreiten, um ihr Können zu perfektionieren und alles daran setzen, dieses einem breiten Publikum bekannt zu machen, finde ich das beachtenswert und konsequent. Mit Skepsis betrachte ich, wenn eine grundlegende Schulbildung zugunsten einer fixen Idee über eine ungewisse künstlerische Karriere vernachlässigt wird und der unsichere Weg in ein knallhartes Business ohne entsprechendes Handwerk beschritten wird.
Alice Hive ist der Name einer Bamberger Künstlerin, die mit fünfzehn Jahren begann, Gedichte und Songs zu schreiben. Zunächst schrieb sie Songs aus dem Genre Metal englischen Texten. Im Jahre 2008 beschloss sie, ihr Leben ganz der Musik zu widmen und rief ihr Blog alicehive.de ins Leben, auf dem sie seitdem Artikel über Kreativität, Musik und persönliche Entwicklung schreibt.
Ebenfalls 2008 Jahr beschloss sie, ihr erstes Album zu produzieren und publizierte es im August 2009 unter dem Projektnamen SHATTENTAK und dem Albumtitel „spurlos“. Alice Hive widmet sich bei diesem Projekt den Genres Electro/Pop/Rock. Das Album kann seit August 2009 gratis angehört werden. Wer Gefallen an dem Werk gefunden hat, kann das Album auch herunter laden. Alice Hive stellt dem Musikfreund frei, ob er das Album gratis herunter laden möchte oder ob er die Künstlerin mit einem selbst zu wählenden Preis unterstützen möchte
Das Album umfasst zwölf Songs, teils instrumental, zum größten Teil mit Gesang. Insgesamt wirkt das Album auf mich sehr düster und melancholisch, was von der Künstlerin offensichtlich angestrebt wird, da sie ihr Werk als Album beschreibt, das sich “mit deutschen metaphorischen Texte, eingängigen Melodien und eine melancholische Atmosphäre” auszeichne.
Zwei Lieder gefallen mir von der Idee sehr gut: das melancholische Spurlos sowie Held, in dem neben einer interessanten Hook-Line eine inspirierte E-Gitarre verblüfft. Alice Hives Stimme klingt für ihr Alter sehr erwachsen und hat eine angenehme tiefe Farbe.
Was Elektro Pop angeht, bin ich bekannter Maßen zu wenig bewandert, um mich darüber auslassen zu können, was Stil und Kreativität betrifft. Mir fallen aber sofort zwei Blogger ein, von denen einer selbst produziert und der andere ausgesprochener Elektro Freund ist. Vielleicht können die ihre Eindrücke in den Kommentaren hinterlassen oder die Gelegenheit wahrnehmen und selbst über Alice Hive zu bloggen. HappyBuddha hat es übrigens bereits getan.
Ina Müller | Die Schallplatte – nied opleggt
von musicampus | 6. November 2009 | 13:06 Uhr
Seit Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts tritt immer wieder Ina Müller in mein Leben. Sei es musikalisch mit Queen Bee, auf die ich durch ein Plakat aufmerksam wurde, als ich Ende der 90er Jahre einen Kurztripp nach Sylt unternahm, oder als vorabendliche Gastgeberin in ihren Sendungen Land und Liebe (die mittlerweile von Yared Dibaba übernommen wurde) oder Inas Norden. Natürlich dürfen das preisgekrönte Format Inas Nacht und ihre Alben, in denen sie ironisch u.a. mit Jugendsünden, Nebenbuhlerinnen und dem natürlichen Reifeprozess von Frauen umgeht, nicht vergessen werden.
Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass es einige Gemeinsamkeiten zwischen Ina Müller und mir gibt. Ihre Wurzeln hat sie in einem Dorf unweit von Bremerhaven, das bekanntlich mein Geburtstort ist. Sie lebte einige Zeit auf Sylt, die sie wohl im Gegensatz zu mir nicht nur freiwillig, sondern auch länger dort verbrachte. Ina Müller liebt die Musik und hat offensichtlich eine enge Verbindung zu ihrer norddeutschen Heimat.
Diese Verbundenheit zu Norddeutschland und zum Niederdeutschen (Plattdeutsch) hat sie wohl dazu bewogen, das gerade erschienene Album Die Schallplatte – nied opleggt aufzunehmen. Es handelt sich dabei um ein Werk, das aus zwölf Liedern besteht, die allesamt mit plattdeutschen Texten versehen sind. Während es sich bei drei der Titel um neue Kompositionen handelt, liegen mit den neun anderen Liedern neu arrangierte Adaptionen bekannter Hits vor.
Allein die Idee, Titel wie beispielsweise Lemon Tree oder What’s up neu zu arrangieren und mit plattdeutschem Gesang aufzunehmen, ist schon erwähnenswert. Normalerweise verbindet man plattdeutscher Musik Weisen, Traditionals oder Shantys, die entweder von einschlägig bekannten norddeutschen Bands oder Shanty Chören dargeboten werden. Dass Popmusik, Rockiges oder Jazz im Gewand der plattdeutschen Sprache ein völlig eigenständiges Genre darstellen können, wird beim Hören dieses Albums deutlich.
Insgesamt ist Die Schallplatte – nied opleggt sehr stimmungsvoll. Vor allem wegen der sehr ruhigen Arrangements mit akustischen Instrumenten stellte sich bei mir so eine Art Herbstgefühl ein. Bei gedämpftem Licht und ohne Ablenkung offenbart sich die Tiefe des Werks, zu dem man nicht nur durch die Erzählungen in den Liedern Zugang bekommt, sondern vor allem durch Ina Müllers Gesang. Auf der einen Seite singt sie sehr gefühlvoll, flüstert hier fast mit gebrochener Stimme, um an anderer Stelle gnadenlos ekstatisch zu röhren.
Unbeschreiblich ist ihre Stimme, und das macht wohl auch die Faszination aus. So scheint sie immer am Rande der Stimmlosigkeit, wenn sie wie zum Beispiel im melancholischen Schnee fallt bald, einer grandiosen Interpretation des Real Book Klassikers Autumn Leaves, mit ihrer eigenen heiseren Art von Sehnsucht erzählt. Gänsehaut ist hier vorprogrammiert.
Dieses Album gefällt mir sehr, weil ich eine großartige Ina Müller erlebt habe, die gefühlvoll zeigt, dass plattdeutsches Liedgut nicht nur traditonell sein muss.
Wer aus Sachsen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Österreich oder aus der Schweiz kommt, kann sich glücklich schätzen, denn dort ist Ina Müller im November auf Tour.
Tourdaten:
08.11.2009 Würzburg
09.11.2009 Chemnitz
10.11.2009 Augsburg
12.11.2009 Zürich
13.11.2009 Niedernhausen
15.11.2009 Stuttgart
16.11.2009 Ulm
17.11.2009 Dresden
22.11.2009 Wien
23.11.2009 Linz
24.11.2009 Nürnberg
27.11.2009 Erfurt
28.11.2009 Ilsenburg
Dave Matthews Band auf Europa-Tournee
von musicampus | 5. November 2009 | 10:02 Uhr
Wie verhält es sich eigentlich mit der Duplizität von Ereignissen – oder verwende ich den falschen Terminus für folgenden Sacherhalt: Die Dave Matthews Band war mir bis zu einem gemütlichen Abend unter Freunden Anfang September lediglich als Name ein Begriff. Weder wusste ich, welche Art Musik sie macht, noch wusste ich, ob sie besonders gut oder gar herausragend ist. Es trieb mich auch nichts an, mehr über sie heraus zu finden. Dies änderte sich an besagtem Abend. Nach selbst gemachter Pizza und bei geistreichen Getränken Gesprächen forderte die Gastgeberin ihren Mann auf, die Live-DVD der Dave Matthews Band einzulegen.
Die folgenden Minuten waren dann so etwas wie eine Lehrstunde in Sachen Musikkunde. Eine Band, die live mit einer solchen Spielfreude auftritt, das Publikum von der ersten Note packt und mit auf eine musikalische Reise nimmt, erlebt man selten. Die Band um Dave Matthews bewegt sich gerade zu spielerisch zwischen Rock, Pop, Folk, Funk, Jazz und Country, experimentiert mit Fusion-Elementen und klassischen Momenten – ohne dabei aber den daraus resultierenden ganz eigenen Stil aufzugeben.
Das ist also die Dave Matthews Band, dachte ich, und erhielt wenige Tage darauf eine recht umfangreiche Mitteilung, dass genau diese Band im Frühjahr ihr achtes Studioalbum Big Whiskey and the GrooGrux King veröffentlicht habe und jetzt auf große Europa-Tournee gehen wird, in deren Rahmen sie im Februar und März auch in Hamburg, Berlin, München, Köln und Frankfurt auftritt.
Etwas seltsam kommt mir diese ziemliche geballte Konfrontation mit der Dave Matthews Band schon vor. Nicht, dass ich es schlimm fände. Ganz im Gegenteil – und vielleicht, denke ich, schwingt gerade jemand mit einem riesigen Zaunpfahl.
Tourdaten:
16.02.2010, Dienstag, Hamburg, CCH 1
17.02.2010, Mittwoch, Berlin, Tempodrom
20.02.2010, Samstag, München, Zenith
28.02.2010, Sonntag, Köln, Palladium
04.03.2010, Donnerstag, Frankfurt, Jahrhunderthalle






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