Road Closed Ahead | Punchrock aus Neuried

von musicampus | 1. Dezember 2009 | 09:52 Uhr

Road Closed Ahead | Punchrock auf www.musicampus.deEs ist wahrlich keine leichte Kost, was Road Closed Ahead aus Neuried musikalisch bieten. Aber das, was die vier Musiker selbst als Punchrock bezeichnen, ist eine Form von Musik, die ich bis dato so noch nicht gehört habe. Vermutlich kann der Stil wohl als Crossover bezeichnet werden, der Metal, Rock und Punk so geschickt miteinander verbindet, dass durch die Hinzugabe ganz eigener Stilelemente eine krachende Melange entsteht, die mich beim Zuhören so fasziniert hat, dass ich meinen Lesern Road Closed Ahead nicht vorenthalten möchte.

Seit dem Jahr 2000 ist das Quartett bereits unterwegs und hat sich in dieser Zeit einen treuen Fankreis erspielt und war 2008 im Finale für Ringrockers für Rock Ring und spielte beim Ungkraft Festival in Schweden. Dieses Jahr traten die Punchrocker bei der Coca Cola Soundwave Tour und beim Mini Rock Festival Horb am Neckar auf.

Zwischendurch fanden sie noch die Zeit, im Cubeaudio Tonstudio eine Promo-EP aufzunehmen. Alle drei Songs können komplett auf der Website der Band angehört werden. Bereits der erste Titel Livin’ in the past hat mich durch das energetische Arrangement und den charakteristischen Gesang in Verbindung mit den harten Riffs vollkommen überzeugt. Was ich besonders aufregend fand, waren das filigrane Gitarrenspiel und die Backgroundgesänge, die trotz oder gerade wegen der knallharten Gitarren herausstechen.

Man darf gespannt sein, wann das erste Album von Road Closed Ahead erscheinen wird. Vorher besteht die Möglichkeit, die Band live zu sehen:

26.12.2009 ab 20:00 Uhr in Schachen, Baden-Württemberg
16.01.2010 ab 20:00 Uhr im Wasserwerk, Neuried, Baden-Württemberg

Natürlich hat Road Closed Ahead auch eine MySpace Seite.

Tricky Lobsters | Black Songs

von musicampus | 19. November 2009 | 09:48 Uhr

Tricky Lobsters | Black Songs auf www.musicampus.deBlack Songs heißt das mittlerweile fünfte Album der Rostocker Band Tricky Lobsters. Am 07.11.2009 kam es auf den Markt und führt nach einer etwa zweijährigen Pause das fort, was seit Gründung der Formation 1996 konsequent entwickelt wurde: Rock’n Roll as Rock’n Roll can. Was auf Black Songs zu hören ist, kann mit Fug und Recht als ganz harter Tobak beschrieben werden und schlägt einem mit voller Härte in die Gehörgänge. Großartigen Rock der ganz rauhen Sorte haben die vier Rostocker zu einem Album zusammen gestellt, das Freunde des Hardrock überzeugen dürfte.

Beim ersten Anhören des Albums war ich mir noch nicht sicher, ob es mir gefällt oder nicht. Aber es entwickelte sich beim zweiten Anhören eine gewisse Faszination für die Strukturen und Arrangements – und vor allem für das Gitarrenspiel in Verbindung mit dem gnadenlosen Schlagzeug. Teilweise klingt es bluesig, teilweise nach heavy metal und immer abwechslungsreich, aber unerträglich. Dass Tricky Lobster im Song Moto Mojo mit dem I shot the Sheriff Riff überraschen, gibt dem Ganzen noch eine besondere Note.

Tricky Lobster sollte man auf keinen Fall ungehört übergehen. Es lohnt sich.

Wer es lieber live mag, hat in den kommenden Wochen mehrfach Gelegenheit dazu, Tricky Lobsters zu sehen:

20.11. Bautzen – Steinhaus
21.11. Eisenhüttenstadt – Gasoliners
11.12. Ludwigsfelde – NVA Club
18.12. Rostock – MAU Club
26.12. Salzwedel – Hanseat
27.12. Halle – Rockstation

Ohrenfeindt im Meisenfrei in Bremen

von musicampus | 18. November 2009 | 10:01 Uhr

Ohrenfeindt im Meisenfrei in Bremen auf www.musicampus.deHeute abend wird im Meisenfrei in Bremen der Keller beben, denn die St. Pauli Vollgasrocker Ohrenfeindt geben dort ihr diesjähriges Bremer Konzert. Die Bremer Rock- und Blues-Kultkneipe bietet wohl das beste Ambiente, das sich eine Band vorstellen kann. Um das Publikum müssen sich die drei Musiker sicher keine Sorgen machen. Beim letzten Konzert im Moments war es brechend voll und wegen der überschaubaren Anzahl der Ohrenfeindt Besuche in der Hansestadt kann ich mir vorstellen, dass es heute eng wird, da Ohrenfeindt mittlerweile einen ansehnlichen Fankreis erspielt hat.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich von den Live-Qualitäten des Power-Trios überzeugen zu wollen, sollte sich rechtzeitig vor 20:00 Uhr im Meisenfrei einfinden, um noch einen guten Platz zu ergattern. Wer wie ich heute nicht zum Konzert kommen kann, findet auf Ohrenfeindts Website die kommenden Termine.

Kongo Skulls | Perfect Suicide

von musicampus | 17. November 2009 | 10:34 Uhr

Kongo Skulls | Perfect Suicide auf www.muiscampus.deMit den Kongo Skulls, die am 07.11.2009 nach ihrem Debütalbum Asshole nun mit Perfect Suicide das Nachfolgealbum veröffentlicht haben, landete wieder ein Album der härteren Gangart auf meinem Schreibtisch. Die Hamburger Band, die auf der legendären Reeperbahn im Herzen St. Paulis beheimatet ist, legt ein Werk vor, das mit seinen dreizehn Titeln und einer Spielzeit von etwas mehr als 44 Minuten an die gute alte LP Tradition anknüpft. Überhaupt ist das Credo der Band die Ursprünglichkeit und sie legt Wert darauf, dass die brachiale Kraft des von ihr gespielten Bluesrock ungeschönt auf den Tonträger gebannt wird.

Ziel scheint, dass die Energie der Live-Auftritte des Trios eingefangen und den Zuhörern zugängig gemacht werden soll, die sich bisher noch keinen Eindruck von den Qualitäten der Kongo Skulls verschaffen konnten. Hier werden mit harten Riffs, Breaks, Wah-Wah, Doublebass, Cowbell und fetten Basslinien sämtliche Register gezogen, um es ordentlich krachen zu lassen.

Und wie es kracht, kann man sich auf ihrer Website und bei der obligatorischen MySpace Seite anhören.

Dass man mit Rockmusik bei mir offene Türen einrennt, dürfte mittlerweile bekannt sein. Wieder einmal habe ich meinen Horizont erweitern können und freue mich, dass weitab vom Mainstream noch Musik gemacht wird, die das Etikett Rock verdient. Das Album Perfect Suicide hebt sich erfreulich vom glattgebügelten Cash Trash von durch Plattenfirmen durchgestylte und zielgruppenkompatibel gemachte Bands ab, der der heutigen Jugend von den Konzernen als Rockmusik kredenzt wird. Auch wenn in den zuletzt genannten Kreisen Image Alles ist, finde ich, es muss nicht alles Image sein.

Fotos: Axel Kuschur

Frank Ramond | Große Jungs

von musicampus | 11. November 2009 | 11:40 Uhr

Frank Ramond | Große Jungs auf www.musicampus.de Wenn zufällig ein Ereignis eintritt, das mich positiv überrascht und ich dabei zudem etwas lerne, stellt sich bei mir eine Grundzufriedenheit ein, von der ich lange zehren kann. So ist es auch bei der Ankündigung des Debütalbums Große Jungs von Frank Ramond geschehen. Zunächst einmal fragte ich mich ernsthaft, ob ich Frank Ramond kennen müsste, weil mir dessen Name nicht geläufig war. Dass ich aber seit einigen Jahren so etwas wie ein Freund seiner Kunst bin, wurde mir erst bewusst, als ich mich mit ihm zu beschäftigen begann.

Leser meines Blogs und Hörer meines Podcasts wissen, dass ich ein nicht ganz ungespaltenes Verhältnis zu Liedern mit deutschen Texten habe. Dass das unmittelbare Verstehen deutscher Texte beim Hören – im Gegensatz zu dem englischer oder französischer Texte – ein Lied entzaubern kann, weil die darin häufig verarbeiteten und preisgegeben Banalitäten oft wie ein Schlag ins Gesicht wirken, mag ein Grund sein.

Zu oft versinken meines Erachtens die Texte der deutschsprachigen Künstler – und ich betrachte noch nicht einmal Schlager oder volkstümliche Musik – im unheilvollen Dreieck aus Seichtigkeit, Betroffenheit und Missionierungsdrang. Oder in geradezu erschreckender Plattheit, die dem Ruf der Deutschen, ein Volk der Dichter und Denker zu sein, in keiner Weise gerecht wird und geradezu karikiert.

Vor einigen Jahren nahm ich mehr oder weniger unterbewusst wahr, dass ich bei einigen Künstlern beim Hören derer Lieder die Musik ausblendete und dem Inhalt der Texte zuhörte. So richtig begeistern konnte ich mich für Annett Louisans Das alles wär’ nie passiert und Lieber Orangenhaut (als gar kein Profil) von Ina Müller, weil hier Geschichten aus dem Leben so pointiert und überraschend erzählt werden, dass man einfach zuhören muss.

Autor dieser kleinen Geschichten und vieler anderer, die von weiteren Künstlern wie Roger Cicero oder Barbara Schöneberger interpretiert wurden, ist Frank Ramond. Der hat nun beschlossen, die Seiten zu wechseln und seine kleinen Geschichten als Singer/Songwriter selbst authentisch zu interpretieren. Das Ergebnis ist das bereits angesprochene Album Große Jungs.

Frank Ramond interpretiert darin dreizehn Kompositionen, die ihr Vorbild in den großen Chansons der Hochblüte französischer Musik haben und die mit lateinamerikanischen Anlehnungen verfeinert werden. Erstaunlich ist dabei seine Stimme, die unglaublich sympathisch mit einem unverwechselbaren Timbre versehen ist. Warum, fragt man sich, hat er erst jetzt sein Debüt als Sänger gegeben?

Das Album gefällt mir außerordentlich gut und hat große Chancen, Bestandteil des Soundtrack of my Life zu werden. Es sind die überraschenden Enden und die allgegenwärtige Ironie, die das Werk so hörenswert machen. Auch musikalisch gibt es überhaupt nichts zu kritisieren. Eingängige Melodien gepaart mit Arrangements, die keine Wünsche offen lassen, machen die dreizehn Lieder zu einem Hörerlebnis.

Heute abend ist Frank Ramond um 18:30 Uhr zu Gast bei rbb (TV) in der Sendung “zibb”.

Tourdaten:

12.11.2009 Zürich
13.11.2009 Niedernhausen
15.11.2009 Stuttgart
16.11.2009 Ulm
17.11.2009 Dresden
22.11.2009 Wien
23.11.2009 Linz
24.11.2009 Nürnberg
27.11.2009 Erfurt
29.11.2009 Oberhausen

Hier ist er gemeinsam mit Ina Müller auf ihrer Liebe macht taub -Tour zu sehen.

Blue Man Group | Show wurde überarbeitet

von musicampus | 9. November 2009 | 11:12 Uhr

Blue Man Group | Show wurde überarbeitet auf www.musicampus.deVor zweieinhalb Jahren war ich mit der MixTape-Fee in Berlin, wo wir uns im BLUEMAX Theater Berlin die Show der Blue Man Group angeschaut haben. Das war ein ganz besonderes Ereignis, das jedem zu empfehlen ist, der eine Reise in die Hauptstadt plant. Die Show aus New York City ist einzigartig, weil hier Musik, Comedy, Kunst und Wissenschaft so miteinander verbunden werden, dass Worte fast überflüssig sind. Diese Mischung ist witzig und immer wieder überraschend. Begleitet von Livemusikern rocken die Künstler und begeistern das Publikum.

Seit der Deutschlandpremiere 2004 haben bereits über 1,75 Millionen Zuschauer die Show gesehen. Damit ist sie die erfolgreichste Show in Berlin und ich kann mit dem Brustton der Überzeugung behaupten, dass wir zu den mehr als 70% der Besucher gehören, die als Touristen aus dem In-und Ausland dabei waren.

Damit noch mehr internationales Publikum den Weg zum Potsdamer Platz findet, wurde die Show überarbeitet. Es wurden englischsprachige Texte eingefügt, Szenen überarbeitet und Showelemente verändert. Dabei wurde von dem amerikanischen und deutschem Kreativteam der Focus darauf gelegt, dass die Show sowohl für die deutschsprachigen als auch für die englischsprachigen Besucher weiterhin verständlich bleibt. Neu ist auch, dass das Show-Ende überarbeitet wurde.

Obwohl ich Fan der Hauptstadt bin und es genug Sehenswertes gibt, das ich bisher noch nicht anschauen konnte, wäre die Überarbeitung der Blue Man Group ein Anreiz, wieder einmal die Reise nach Berlin anzutreten.

Diejenigen, die die Blue Man Group noch nicht kennen, können sich hier einen Überblick verschaffen.

Ina Müller | Die Schallplatte – nied opleggt

von musicampus | 6. November 2009 | 13:06 Uhr

Ina Müller | Die Schallplatte - nied opleggtSeit Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts tritt immer wieder Ina Müller in mein Leben. Sei es musikalisch mit Queen Bee, auf die ich durch ein Plakat aufmerksam wurde, als ich Ende der 90er Jahre einen Kurztripp nach Sylt unternahm, oder als vorabendliche Gastgeberin in ihren Sendungen Land und Liebe (die mittlerweile von Yared Dibaba übernommen wurde) oder Inas Norden. Natürlich dürfen das preisgekrönte Format Inas Nacht und ihre Alben, in denen sie ironisch u.a. mit Jugendsünden, Nebenbuhlerinnen und dem natürlichen Reifeprozess von Frauen umgeht, nicht vergessen werden.

Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass es einige Gemeinsamkeiten zwischen Ina Müller und mir gibt. Ihre Wurzeln hat sie in einem Dorf unweit von Bremerhaven, das bekanntlich mein Geburtstort ist. Sie lebte einige Zeit auf Sylt, die sie wohl im Gegensatz zu mir nicht nur freiwillig, sondern auch länger dort verbrachte. Ina Müller liebt die Musik und hat offensichtlich eine enge Verbindung zu ihrer norddeutschen Heimat.

Diese Verbundenheit zu Norddeutschland und zum Niederdeutschen (Plattdeutsch) hat sie wohl dazu bewogen, das gerade erschienene Album Die Schallplatte – nied opleggt aufzunehmen. Es handelt sich dabei um ein Werk, das aus zwölf Liedern besteht, die allesamt mit plattdeutschen Texten versehen sind. Während es sich bei drei der Titel um neue Kompositionen handelt, liegen mit den neun anderen Liedern neu arrangierte Adaptionen bekannter Hits vor.

Allein die Idee, Titel wie beispielsweise Lemon Tree oder What’s up neu zu arrangieren und mit plattdeutschem Gesang aufzunehmen, ist schon erwähnenswert. Normalerweise verbindet man plattdeutscher Musik Weisen, Traditionals oder Shantys, die entweder von einschlägig bekannten norddeutschen Bands oder Shanty Chören dargeboten werden. Dass Popmusik, Rockiges oder Jazz im Gewand der plattdeutschen Sprache ein völlig eigenständiges Genre darstellen können, wird beim Hören dieses Albums deutlich.

Insgesamt ist Die Schallplatte – nied opleggt sehr stimmungsvoll. Vor allem wegen der sehr ruhigen Arrangements mit akustischen Instrumenten stellte sich bei mir so eine Art Herbstgefühl ein. Bei gedämpftem Licht und ohne Ablenkung offenbart sich die Tiefe des Werks, zu dem man nicht nur durch die Erzählungen in den Liedern Zugang bekommt, sondern vor allem durch Ina Müllers Gesang. Auf der einen Seite singt sie sehr gefühlvoll, flüstert hier fast mit gebrochener Stimme, um an anderer Stelle gnadenlos ekstatisch zu röhren.

Unbeschreiblich ist ihre Stimme, und das macht wohl auch die Faszination aus. So scheint sie immer am Rande der Stimmlosigkeit, wenn sie wie zum Beispiel im melancholischen Schnee fallt bald, einer grandiosen Interpretation des Real Book Klassikers Autumn Leaves, mit ihrer eigenen heiseren Art von Sehnsucht erzählt. Gänsehaut ist hier vorprogrammiert.

Dieses Album gefällt mir sehr, weil ich eine großartige Ina Müller erlebt habe, die gefühlvoll zeigt, dass plattdeutsches Liedgut nicht nur traditonell sein muss.

Wer aus Sachsen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Österreich oder aus der Schweiz kommt, kann sich glücklich schätzen, denn dort ist Ina Müller im November auf Tour.

Tourdaten:

08.11.2009 Würzburg
09.11.2009 Chemnitz
10.11.2009 Augsburg
12.11.2009 Zürich
13.11.2009 Niedernhausen
15.11.2009 Stuttgart
16.11.2009 Ulm
17.11.2009 Dresden
22.11.2009 Wien
23.11.2009 Linz
24.11.2009 Nürnberg
27.11.2009 Erfurt
28.11.2009 Ilsenburg

Dave Matthews Band auf Europa-Tournee

von musicampus | 5. November 2009 | 10:02 Uhr

Dave Matthews Band auf Europa Tournee auf www.musicampus.de Wie verhält es sich eigentlich mit der Duplizität von Ereignissen – oder verwende ich den falschen Terminus für folgenden Sacherhalt: Die Dave Matthews Band war mir bis zu einem gemütlichen Abend unter Freunden Anfang September lediglich als Name ein Begriff. Weder wusste ich, welche Art Musik sie macht, noch wusste ich, ob sie besonders gut oder gar herausragend ist. Es trieb mich auch nichts an, mehr über sie heraus zu finden. Dies änderte sich an besagtem Abend. Nach selbst gemachter Pizza und bei geistreichen Getränken Gesprächen forderte die Gastgeberin ihren Mann auf, die Live-DVD der Dave Matthews Band einzulegen.

Die folgenden Minuten waren dann so etwas wie eine Lehrstunde in Sachen Musikkunde. Eine Band, die live mit einer solchen Spielfreude auftritt, das Publikum von der ersten Note packt und mit auf eine musikalische Reise nimmt, erlebt man selten. Die Band um Dave Matthews bewegt sich gerade zu spielerisch zwischen Rock, Pop, Folk, Funk, Jazz und Country, experimentiert mit Fusion-Elementen und klassischen Momenten – ohne dabei aber den daraus resultierenden ganz eigenen Stil aufzugeben.

Das ist also die Dave Matthews Band, dachte ich, und erhielt wenige Tage darauf eine recht umfangreiche Mitteilung, dass genau diese Band im Frühjahr ihr achtes Studioalbum Big Whiskey and the GrooGrux King veröffentlicht habe und jetzt auf große Europa-Tournee gehen wird, in deren Rahmen sie im Februar und März auch in Hamburg, Berlin, München, Köln und Frankfurt auftritt.

Etwas seltsam kommt mir diese ziemliche geballte Konfrontation mit der Dave Matthews Band schon vor. Nicht, dass ich es schlimm fände. Ganz im Gegenteil – und vielleicht, denke ich, schwingt gerade jemand mit einem riesigen Zaunpfahl.

Tourdaten:

16.02.2010, Dienstag, Hamburg, CCH 1
17.02.2010, Mittwoch, Berlin, Tempodrom
20.02.2010, Samstag, München, Zenith
28.02.2010, Sonntag, Köln, Palladium
04.03.2010, Donnerstag, Frankfurt, Jahrhunderthalle

Rebekka Bakken | Morning Hours

von musicampus | 26. Oktober 2009 | 09:57 Uhr

Rebekka Bakken | Morning Hours auf www.musicampus.deSeit gestern müssen wir es nun auch offiziell hinnehmen: spätestens mit der Umstellung auf die Winterzeit wird auch dem letzten Sommerfreund klar, dass die Abende früher beginnen und die dunkle Jahreszeit damit endgültig eingeläutet ist. Damit beginnt für Viele auch die Zeit, in der die Abende vermehrt in den eigenen vier Wänden verbracht werden. Greifen die Schmöker zu Büchern, freuen sich die Musikfreunde auf den bevorstehenden Reigen an vorweihnachtlichen Veröffentlichungen von neuen Alben. Da trifft es sich, dass am vergangenen Freitag die norwegische Künstlerin Rebekka Bakken ihr aktuelles Album Morning Hours veröffentlicht hat.

Spätestens seit ihrem Album I Keep My Cool aus dem Jahre 2006 bin ich aufmerksamer Verfolger dieser einzigartigen Künstlerin. Abgesehen vom eher unwichtigen Umstand, dass man ihr nicht ansieht, dass sie im Jahr Willy Brandts Warschauer Kniefalls geboren wurde, hat sie eine ganz besondere Stimme und schreibt berührende Lieder.

Auch das mir vorliegende Album Morning Hours ist ein Juwel. Wie zwölf gute Freunde kommen mich die Lieder besuchen und erzählen von Begebenheiten und davon, wie sie jeweils von bestimmten Personen erlebt werden. Die Musik klingt verblüffend amerikanisch, ein wenig nach Country, aber immer wohlproportioniert und trotz des eher sehr ruhigen Charakters des Albums nie kalkuliert oder gar langweilig. Ganz im Gegenteil, die Arrangements und der Drei-Oktaven-Stimmenumfang von Rebekka Bakken, deren Stimmfarbe mich in einigen Passagen manchmal, aber nur ganz entfernt, an Dolores O’Riordan erinnert, überraschen im Verlauf des Albums immer wieder. Und so, wie ein verspäteter Gast einen Abend unter Freunden vollkommen macht, werden wir mit einem Bonustrack erfreut, der das Album abrundet.

Dieses Album sei allen Musikliebhabern ans Herz gelegt, die nach einem musikalischen Rahmen für ruhige Stunden suchen, das Ungewöhnliche nicht scheuen und Wert qualitativ hochwertige Musik setzen.

Rebekka Bakken wird Ende November zu einer großen Tournee aufbrechen, die sich bis in den Februar 2010 erstrecken wird. Die Tourdaten finden sich auf ihrer Seite.

Wise Guys in der Glocke Bremen

von musicampus | 25. Oktober 2009 | 15:06 Uhr

Wise Guys in der Glocke Bremen auf www.musicampus.deWer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden, hat mich das Leben bisher gelehrt. Dass aber derjenige, der nichts erwartet, auch wahnsinnig überrascht werden kann – und ich meine das im positiven Sinne -, habe ich vergangenen Freitag beim Konzert der Wise Guys in der Bremer Glocke erfahren. An diesem Tag gab es für mich gleich zwei Premieren: noch nie war ich vorher in dem Konzertsaal der besonderen Art, der weit über Bremens Grenzen hinaus bekannt ist. Außerdem habe ich auch noch nie ein Konzert der fünf Musiker aus dem Großraum Köln, die ihre Form der Darbietung als Vokal Pop bezeichnen, besucht.

Im Mai habe ich, als ich mit der MixTape-Fee von der ersten Etappe der Weserradtour zurückkam, einen Soundcheck der Wise Guys zu deren Auftritt anlässlich des Evangelischen Kirchentags aus der Ferne mitbekommen. Damals war ich über die Reaktion der Zuhörer ziemlich überrascht, die nicht nur begeistert waren, sondern alle den Text von Jetzt ist Sommer offensichtlich auswendig kannten. Die MixTape-Fee dagegen kannte die Wise Guys bereits und hatte im Herbst 2008 in weiser Voraussicht schon für 2009 Karten bestellt, da das Konzert 2008 bereits restlos ausverkauft war.

Vergangenen Freitag sind wir in die wieder restlos ausverkaufte Glocke gefahren und haben das zweite Bremer Konzert der diesjährigen Tour besucht. Wir haben dort ein völlig gemischtes Publikum vorgefunden. Von Kind bis Greis und von Öko bis CEO beschreibt das Spektrum wohl recht anschaulich.

Bereits als die Wise Guys die Bühne betraten, wurden sie mit frenetischem Applaus begrüßt; als das erste Lied beendet war, hatte die Band das Publikum bereits auf ihrer Seite. Mir hat das Gesamtkonzept der Gruppe von Anfang an sehr gut gefallen: tolle Gesangsdarbietungen mit intelligenten und witzigen Texten gemischt mit feinsinnigen Ansagen von Daniel “Dän” Dickopf, der das Bremer Publikum immer wieder augenzwinkernd aus der Reserve lockte und es sich nicht nehmen ließ, auf das am 29.01.2010 erscheinende neue Album Klassenfahrt hinzuweisen. Einige Lieder, die eventuell auf dem Album erscheinen werden, wurden bereits an diesem Abend vorgestellt. Außerdem wurde mit Nils Olfert der Neuzugang (seit Anfang 2009 dabei) der Wise Guys vorgestellt, den das Publikum nach seinem Solo Angels von Robbie Williams sofort in sein Herz geschlossen hat.

Der Auftritt bestand aus zwei Teilen, die durch eine kurze Pause voneinander getrennt wurden. Im ersten Teil traten die Wise Guys leger mit Jeans und Hemden auf und brachten offenbar nicht ganz so bekannte, weil vermutlich noch neue, Lieder zum besten. Indikator hierfür war das Publikum, das zwar nach jeder Nummer begeistert applaudierte, aber bis auf einige Ausnahmen noch nicht textfest war. Auffallend waren gerade im ersten Teil des Konzerts die ausgefallenen Tanzeinlagen von Marc “Sari” Sahr, der nicht nur mit seinem Hüftschwung die Zuschauerinnen begeistert haben dürfte. Auch die Ankündigung seiner Sondereinlage im zweiten Teil, in der das Publikum wiederum augenzwinkert um Nachsicht ob seines lediglich peripher vorhandenen schauspielerischen Talents gebeten wurde, dürfte mütterliche Schutzinstinkte bei der einen oder anderen Zuschauerin geweckt haben.

Überhaupt nahm das Konzert im zweiten Teil erheblich an Fahrt auf: die Band, mittlerweile in schwarze Anzüge gekleidet, bezog das Publikum immer mehr ein, sang mit ihm und forderte es zum Aufstehen und Mitklatschen auf. Das Publikum wiederum nahm den Ball auf und so ergab sich ein tolles Wechselspiel zwischen Bühne und Saal, das in einer Choreinlage des Publikums gipfelte, das durch Edzard “Eddi” Hüneke geschickt zu gesanglichen Höchstleistungen geführt wurde.

Der absolute Höhepunkt des Abends war in meinen Augen die Interpretation von Michael Jacksons Thriller, das in der Wise Guys Version Schiller heißt und neben einem deutschem Text und dem a capella Arrangement über ein überraschendes Element verfügt: gegen Ende des Songs, der uns von den Schwierigkeiten beim Lesen der Werke des (nicht nur dieses) Klassikers erzählt, rezitiert Ferenc Husta mit wunderbarem Bass zwei Strophen aus Schillers Die Bürgschaft. Selten hat mich eine Live-Darbietung dermaßen begeistert. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, sollte sich den verlinkten Ausschnitt einmal anschauen. Allerdings ist die Wirkung im Konzertsaal ungleich größer.

So war es auch nicht verwunderlich, dass das Publikum die Wise Guys nicht ziehen lassen wollte und so vehement Zugabe skandierte, dass die Gruppe noch dreimal die Kür ablegte, bevor es zum obligatorischen Afterglow im Foyer übergehen sollte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein rundum gelungener Konzertabend viel zu schnell vorüber ging. Das wiederum ist ein sehr gutes Indiz dafür, dass das Konzert sehr kurzweilig war und mich begeistert hat. Jedem, dem sich die Möglichkeit bietet, sollte die Wise Guys besuchen und nicht zu lange zögern, da die Karten – zumindest in Bremen – bereits ein Jahr vor dem Konzert vergriffen sind! Wer sich nicht sicher ist, sollte sich das gegenwärtig noch aktuelle Album frei! besorgen oder den 29.01.2010 abwarten und auf Klassenfahrt gehen.