Mad X-Ray | N:E.O.N.
von musicampus | 2. Mai 2010 | 20:22 Uhr
Aus Leipzig kommen Mad X-Ray, die Anfang des Jahres ihr Album N:E.O.N. veröffentlicht haben. Dieses Album ist ein ganz außergewöhnlicher Hörgenuss, bei dem ich immer wieder fasziniert zwischen sofort ausschalten und weiterhören schwanke. Leichte Kost ist N:E.O.N. wirklich nicht, klingt ziemlich brachial und man sollte sich hüten, das Album nebenbei zu hören. Dass die Musiker aus Deutschland hätte ich nicht gedacht. In der Bandbeschreibung, die mir mit der CD geliefert wurde, steht, dass Manuel H. Noll (dr), Mirco Schulze (git/voc) sowie Mario Noll (b/voc) mit ihrer Musik die Widersprüche zwischen Motorpsycho und Masters of Reality überwinden.
Das mag wohl sein – allerdings habe ich bisher weder etwas von Motorpsycho und Masters of Reality gehört und gewusst, dass es hier gewisse Spannungen gibt. Nichtsdestotrotz sollten die Leserinnen und Leser, die gerne Indie der härteren und schwereren Gangart hören, sich einen Eindruck auf deren MySpace Seite verschaffen.
Wer aus der Gegend kommt, kann sich Mad X-Ray demnächst auch live anhören:
22. Mai 2010 hammerberg, Freiberg
und dann wieder Ende des Jahres:
12. November 2010 Cafe Wagner, Jena
19. November 2010 Atomino, Chemnitz
20. November 2010 Moritzbastei, Leipzig
My Glorious | Home Is Where The Heart Breaks
von musicampus | 20. April 2010 | 19:58 Uhr
Es gibt wieder interessante Neuigkeiten aus Österreich. Mit dem Album Home Is Where The Heart Breaks der österreichisch englischen Band My Glorious zeigt sich Österreich von einer sehr alternativ poppigen Seite. Es ist bereits einige Wochen her, dass ich die CD das erste Mal hörte und dachte: das Warten hat ein Ende. Nämlich das Warten auf etwas Neues, das mich anspricht. Den Lesern von musicampus dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, dass ich ein Faible für rockige, poppige und alternative klingende Bands habe, die es verstehen, Melodisches und Rockiges so zu verbinden, dass daraus ein interessanter Höreindruck entsteht.
So ist es auch bei diesem Album der Fall, bei dem neben verzerrten Bässen, hartem Schlagzeugspiel und gitarrenlastigen Hooklines auch mit Effekten aus dem Tonstudio experimentiert wird. Es hat mich auch gefreut, dass es wieder einmal Zitate bei den Fab Four gegeben hat, die so geschickt verarbeitet wurden, dass sie mir nicht gleich aufgefallen sind.
My Glorious ist ein Garage Rock Trio, das derzeit seinen Sitz in Wien hat. Es besteht aus dem Sänger und Gitarristen Samuel Fischer (UK) und den Zwillingen Gregor Sailer (A) am Bass und Paul Sailer (A) am Schlagzeug. Die Band formierte sich im Januar 2008. Seit der Gründung ist My Glorious bereits in Österreich, Deutschland, Bosnien und dreimal in den USA getourt. Im Februar 2010 erschien ihr Album Home Is Where The Heart Breaks in Europa und im März 2010 wurde die CD in den USA veröffentlicht.
Es macht richtig Spaß, dieses Album anzuhören und lediglich ein häufiger angewandter Harmoniegesang wäre noch das Tüpfelchen auf dem i.
Wer Coldplay, Radiohead, Foofighters oder Fountains of Wayne gerne hört, dürfte von My Glorious begeistert sein und kann sich auf deren MySpace Seite einen Höreindruck verschaffen.
Mile End | Milky Tea
von musicampus | 16. April 2010 | 20:14 Uhr
Als musicampus vor vier Jahren das Licht der Welt erblickte, hatte ich die Gelegenheit, die Gießener Band Mile End das erste Mal live zu sehen und berichtete darüber. Mein alter Weggefährte Alexander Nüske, den ich vor ewigen Zeiten in Liverpool kennen und schätzen lernte, war damals Keyboarder bei der Band und organisierte ein Interview. Das erste Interview, das ich für musicampus führte. Seitdem habe ich aus der Entfernung immer wieder ein wenig von der Band gehört und verloste sogar einmal deren damals aktuelle EP.
Mittlerweile hat sich die Besetzung von Mile End ein wenig geändert, u.a. ist Alex nicht mehr dabei, aber es gibt sehr gute Neuigkeiten: das aktuelle Album Milky Tea ist mittlerweile veröffentlicht worden und wurde mir freundlicherweise von der Band zur Verfügung gestellt.
Schon damals war ich fasziniert von den im Grunde poppigen Songstrukturen mit immer wieder völlig überraschenden Breaks und Offbeat-Einlagen und war gespannt, was Milky Tea bringen wird.
Zwölf Songs sind auf dem Album enthalten, die diejenigen, die die Band bereits kennen, begeistern dürften. Mile End sind sich mit diesem Album treu geblieben, klingen aber anders, was nicht zuletzt am Saxophonspiel von Thomas Pleger liegen dürfte. Das Fehlen der Orgel und des E-Pianos wird durch neuartige, saxophonbestimmte Arrangements ausgeglichen. Ob dies nun besser ist oder nicht, möchte ich gar nicht beurteilen – es klingt wirklich anders und vor allem wirklich gut.
Beeindruckt hat mich wieder einmal Annika Bock. Wenn man sie persönlich kennt und sie gesehen hat, ist man immer wieder überrascht, wie erstaunlich tief und kraftvoll ihre Stimme klingt. Thomas Charisse und Dirk Papendorf bilden die Rhythmussektion, die auf mich wirkt, als hätten sie schon immer miteinander gespielt. Den Abschluss bildet Konrad Bohl an der Gitarre, der auch auf diesem Album wieder mit seiner stilistischen Vielfalt eine sichere Bank bildet.
Insgesamt dürfte Milky Tea das wohl zahmste Werk sein, das die fünf Musiker produziert haben, aber in meinen Augen ist es auch das interessanteste und gelungenste Album.
Ambiguous Art, Blockhead und Standing In Line sind meine absoluten Favoriten und spiegeln die Vielfalt, die instrumentalen Fähigkeiten und das erstklassige Songwriting wider.
Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, sollte auch einmal auf die MySpace Seite schauen.
My Name Is Music | Revolution
von musicampus | 25. März 2010 | 19:54 Uhr
Eigentlich hätte ich diesen Beitrag auch “Post aus Österreich” nennen können, denn aus Wien kommt das Duo My Name Is Music, das mit seinem Album Revolution ein weiteres Mal beweist, dass österreichische Künstler nicht ausschließlich volkstümliche Musik machen. Allerdings wäre der Titel nicht richtig, da die Post eigentlich aus Bonn kam, denn dort sitzt das Label The Finest Noise Promotion, das mir dieses Album zugeschickt hat. Die Kontaktaufnahme erfolgte über eine Empfehlung von musicampus durch einen Bekannten des Label Inhabers. Da bedanke ich ich ganz artig und freue mich, dass sich musicampus zum Gesprächsthema entwickelt.
Phoebe Hall und Niki Altmann sind die beiden Künstler, die das Duo My Name Is Music bilden, das weit ab vom Mainstream Lieder aufgenommen hat, die durch Eingängigkeit, Ideenreichtum und musikalisches Können überzeugen. Kein huschhusch produzierter Cash-Trash malträtiert den Zuhörer, sondern fein arrangierte und abwechslungsreiche Lieder, die unterschiedlicher nicht sein können, überraschen beim ersten Hören.
Zwar zieht sich ein roter Faden von Anklängen an die 60er und 70er Jahre durch das Album, aber das ruhige Queen Of The World unterscheidet sich so sehr von Oh Shit My Boyfriend Is Darth Vader, dass man meinen könnte, das Duo habe sich noch nicht gefunden und probiere noch aus. Allerdings dürfte dies kalkuliert sein, da sich die beiden Werke insgesamt so harmonisch in das ganze Album einfügen, dass man es als solches hören muss, um es zu verstehen.
Auch wenn Revolution geradezu minimalistisch produziert wurde, hat man aufgrund des filigranen Bass- und Gitarrenspiels von Niki Altmann nie das Gefühl, etwas zu vermissen. Abgerundet wird das Gesamtbild durch den Gesang von Phoebe Hall. Anhören sollte man sich auf jeden Fall Birthday Cake – ein wunderbares Duett für Stimme und Bass.
Schade finde ich, dass My Name Is Music offenbar nur über eine MySpace Seite verfügt. Gern hätte ich mehr über dieses außergewöhnliche Duo und die Künstler, die dahinter stehen erfahren.
The Chieftains feat. Ry Cooder | San Patricio
von musicampus | 22. März 2010 | 19:30 Uhr
Welcher Teufel mich geritten hat, die Chieftains mit einer britischen Alternative Pop Band in Verbindung zu bringen, als ich meinen iPod mit San Patricio für eine längere Bahnfahrt vorbereitete, weiß ich bis heute nicht. Aus Hamburg erreichte mich ein paar Tage vorher deren aktuelles Album, produziert vom Chieftains Mastermind Paddy Molony und Ry Cooder. So stand ich also einige Minuten später an einem verregneten Samstagmorgen an der Bushaltestelle, schaltete meinen iPod in Erwartung ebendieser britischen Musik ein und wurde von allerbester mexikanischer Folklore überrascht. Ich muss nicht extra erwähnen, dass das Bild, das sich mir bot, etwas Skurriles hatte: die Regentropfen tanzten vor mir in den Pfützen, das Tageslicht hatte noch nicht seine volle Stärke erreicht und über die mexikanische Musik in meinen Ohren stellte sich bei mir prompt eine Art von Urlaubsgefühl mit äußerst guter Laune ein. Fehlte nur noch ein Tequila Sunrise, der natürlich morgens um kurz vor halb neun nicht nur undenkbar sondern schlichtweg nicht zu bekommen war.
Es drängte sich mir die Frage auf: wer sind die Chieftains? Diese Frage war nach meiner abendlichen Rückkehr schnell beantwortet, warf aber viele weitere Fragen auf und ließen mich erkennen, dass dieses Album San Patricio etwas ganz Besonderes sein muss.
Die Musik ist großartig und die Mischung aus mexikanischer und irischer Folklore hat etwas Eigenes, das ich vorher noch nicht in dieser Form gehört hatte. Dass Ry Cooder schon seit längerem nicht mehr ausschließlich als der König der Slide-Guitar zu betrachten war, ist mir spätestens seit dem 2005 erschienenen Album Chávez Ravine bekannt.
Aber hinter diesem Album steckt mehr, denn musikalisch wird eine Episode aus dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg 1848, in dem Mexikaner gemeinsam mit Iren gegen die USA gekämpft haben, aufgearbeitet (folgende Beschreibung entnahm ich der Pressemitteilung von networking-media):
Während des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs verließen Captain John Riley und ein kleines Bataillon, das größtenteils aus Iren bestand, ihren Posten in den USA und beschlossen, ihrem Gewissen folgend, Seite an Seite mit der mexikanischen Armee unter dem Kommando von General Antonio López de Santa Anna gegen die Nordamerikaner zu kämpfen.
Von den Amerikanern wurden sie daraufhin als Verräter und Deserteure geschmäht und weitgehend aus den Geschichtsbüchern verbannt. Generationen von Mexikanern und Iren aber feiern sie bis in die heutigen Tage hinein als Helden, die sich mutig gegen einen ungerechten und nur notdürftig verschleierten Angriffskrieg zur Wehr gesetzt hatten.
Zwar kämpften in den Reihen der San Patricios auch Benachteiligte und Unterdrückte anderer Nationen (u.a. Deutsche, Polen und Schotten), aber die Mehrzahl waren Iren, die erst kurz zuvor, in Amerika gelandet waren. In ihrer Heimat hatten sie unter der Knute der englischen Großgrundbesitzer gelitten und die verheerenden Folgen einer Hungersnot kennengelernt, zu deren Eindämmung die britischen Behörden nichts unternahmen.
In Amerika angekommen, blieb ihnen durch ihre Armut und die Umstände kaum etwas anderes übrig, als sich der Armee anzuschließen, wo sie dann meist unter englischstämmigen, protestantischen Offizieren dienen mußten, die sie denselben Demütigungen aussetzten, die sie schon in ihrer Heimat erfahren hatten.
Für einige war der Mexikanisch-Amerikanische Krieg ein Religionskrieg, für andere ein Freiheitskampf und für eine weitere Gruppe war es ein Krieg, der Abenteuer und Aussicht auf ein besseres Leben versprach. Am Ende war es für Mexiko und die San Patricios aber ein tragischer Krieg mit großen Verlusten. Die wenigen überlebenden San Patricios wurden von den mit ihnen gefangenen mexikanischen Soldaten getrennt, wegen Hochverrats vor ein Kriegsgericht gebracht und dann meist dem Henker übergeben oder mit einem “D” für Deserteur auf beiden Wangen gebrandtmarkt.
Paddy Moloney war von dieser Geschichte sehr fasziniert und begab sich auf die Suche nach der Musik, die die Mexikaner und Iren verbunden haben muss, als sie zusammengelebt haben. In gemeinsamer Arbeit mit Ry Cooder und den Chieftains entstand dieses wirklich außergewöhnliche Album San Patricio, dessen Musik vom ersten Lied an überzeugt.
Ein interessantes Interview von Ry Cooder gibt nochmals seine Sichtweise ausführlich wieder.
Dr. Will | Speak Of The Devil
von musicampus | 27. Februar 2010 | 18:48 Uhr
Immer wenn ich Post aus Hamburg bekomme, weiß ich, dass mich wieder etwas Besonderes erfreuen wird. Denn in Hamburg sitzt ein Musikkenner, der eine Nase für Musiker der ungewöhnlichen Art hat. Meist sind deren Alben thematisch weit weg vom üblichen Mainstream, haben ihren ganz eigenen Charakter und wurden von Künstlern produziert, die ihr Handwerk gelernt und es verstanden haben.
Genau so verhält es sich bei Dr. Will, der Ende Januar 2010 sein Album Speak Of The Devil veröffentlicht hat. Von diesem Künstler habe ich vorher noch nichts gehört, geschweige denn von seinem Vorgängeralbum Itching Again. Ein Fehler, wie ich wieder einmal feststellen musste, denn dieses mir vorliegende Album Speak Of The Devil ist wirklich ungewöhnlich und der Künstler bereits seit mehr als 20 Jahren aktiver und erfolgreicher Musiker.
Verschrieb er sich zunächst der R’nB’-Szene, gab ein Aufenthalt in New Orleans, während dessen er den Louisiana-Style des R’n'B kennen und schätzen lernte, seinem künstlerischen Schaffen eine neue Wendung. Er kultivierte seine in den USA gewonnenen Eindrücke in Deutschland und avancierte im Laufe der Zeit zu einem gern gesehenen Gast nicht nur auf Festivals und Konzerten. Dr. Will spielte nicht nur für die Ludwig Seuss Band oder Willy de Ville, sondern produzierte auch die Alben von Al Jones und Chris Hall.
Bereits 2006 begann Dr. Will mit den Arbeiten an Speak Of The Devil und schon der erste Blick auf das Cover ließ mich staunen, denn nicht weniger als 18 Songs – gestaffelt in drei Aufzüge – sowie vier Videos erhält man beim Kauf der CD.
Speak Of The Devil ist ein Konzeptalbum, durch das ein roter Faden führt. Erzählt wird die Geschichte von Walter, Willie und Sally und deren Schicksale, deren Geschichten sowie kleine und große Tragödien. Eingebettet sind diese kleinen Lebensgeschichten in eine Jahrmarktattraktion – dem Voodoo Barbecue. Ein Voodoo Guru führt durchs Programm und am Ende müssen alle sterben.
Liest man, dass ein Album ein Blues Album sei, hat man eine gewisse Ahnung, was einen beim Anhören erwartet. Allerdings konnte ich diese Erwartung bereits beim ersten Song ad acta legen, da die Musik von Dr. Will sehr eigenwillig arrangiert wurde. Neben unzähligen Blues untypischen Instrumenten wie Banjo, Sitargitarre, Cello, Xylophon, Glockenspiel, Ukulele, Weingläsern, Mund-Perkussion und Beatbox wartet das Album mit elektronischen Loops und einem 20-köpfigen Kinderchor auf.
Dr. Will will mit seinem Album nicht gefallen – er biedert sich nicht mit gefälligen Arrangements und wohlgefeiltem Gesang an. Darüber sollte man sich vor dem Anhören klar sein. Doch wer sich der Herausforderung stellt, wird nicht enttäuscht sein, da Dr. Will einen unwillkürlich in die fiebrige Atmosphäre des Voodoo zieht. Ein musikalisches Spektakel, das man sich auf seiner Seite anhören kann. Wer sich hat überzeugen lassen, kann das Album bei Amazon und bei ROCKCD kaufen oder zu einem der Konzerte gehen:
06.03.10 DE Gelting, Hinterhalt
10.03.10 DE Eching, Michels Bar*
14.03.10 DE Rohrbach, Incontri
24.03.10 DE Fürth, Kofferfabrik
25.03.10 DE Lichtenfels, Stadtschloss
26.03.10 DE Bad Dürkheim, Krähenhöhle
27.03.10 DE Cloppenburg, Briefkasten
15.05.10 DE Bittstätt bei Erfurt, Himmelfahrte – OpenAir
10.12.10 DE München, ARS Musica im Stemmerhof
11.12.10 DE München, Schrottgalerie Friedel
16.12.10 DE Ingolstadt, Neue Welt
* Acoustic Performance feat. Anja Morell
Fotos: Dean Bennici
Bernd Rinser | GOT YOU
von musicampus | 22. Februar 2010 | 21:29 Uhr
Mittlerweile ist es schon wieder mehr als ein Jahr her, dass ich Southern Swamp Impressions von Bernd Rinser besprochen habe. Zwischenzeitlich berichtete ich über seine Teilnahme bei der German Blues Challenge und Ende des vergangenen Jahres erreichte mich seine Mitteilung, dass sein neues Album kurz vor der Vollendung stand. Mittlerweile ist mit GOT YOU das dritte Album einer Trilogie fertig gestellt und steht kurz vor der Veröffentlichung. Ich schätze mich glücklich, dass ich bereits vorab die Möglichkeit bekommen habe, das mittlerweile fünfte Album dieses außergewöhnlichen Bluesmusikers genießen zu dürfen.
Bernd Rinsers Musik, die er als RootsRock – southern swamp & dusty road ballads bezeichnet, ist dem weiten Feld des Americana zuzuordnen und fest mit Folk, Blues, Country und Soul verwurzelt. Daher ist die Bezeichnung Bluesmusiker eigentlich auch viel zu eng gegriffen, was einem beim Hören seiner Alben unmittelbar bewusst wird.
Ganz in der Tradition der Langspielplatte überschreitet GOT YOU nur geringfügig die 41-Minuten-Marke und bildet mit den Vorgängeralben Peace of Mind (2007), Southern Swamp Impressions/Struck By Love (2008) als Konzeptalben den Abschluss einer kleinen Reihe. Das Konzept bestand darin, ohne Drummer zu arbeiten. Die Percussion-Elemente sollten bei allen Alben nur stützend eingesetzt werden und daher wurde auf den Einsatz eines kompletten Drumsets verzichtet.
Bernd Rinser legt bei seinen Aufnahmen besonderen Wert darauf, trotz Technik und der Möglichkeiten, die einem ein Tonstudio geben kann, eine natürliche Atmosphäre zu schaffen, die seinen Werken einen atmenden und pulsierenden Charakter verleiht.
Dies gelingt ihm auch bei diesem Album wieder und lässt einen manches Mal aufhorchen. Man glaubt beim Hören wieder einmal nicht, dass es ein deutscher Künstler ist, der mit Tom Waits ähnlichem Timbre klug arrangierte Songs darbietet. Gleich das zweite Lied Biblebelt mit seinem charakteristischen Intro versetzt den Zuhörer in den Mittleren Westen der USA.
Genau das ist das Ziel Bernd Rinsers: er möchte den Zuhörer auf eine musikalische Reise mitnehmen, was ihm zweifelsohne gelingt.
Mir hat dieses Album besser gefallen als seine beiden Vorgänger – obwohl ich damals schon sehr begeistert war. Aber insgesdamt erscheint mir GOT YOU abwechslungsreicher und ausgereifter. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann bereits jetzt auf Bernds Homepage unter CDs Auszüge der Songs hören.
Foto: bs-photoart.de
Katarina Koščová | Nebotrasenie
von musicampus | 9. Januar 2010 | 15:46 Uhr
Nebotrasenie heißt der musikalische Leckerbissen der slowakischen Künstlerin Katarina Koščová, mit dem ich mich aus der Weihnachtspause zurückmelde. Während in Deutschland seit Jahresbeginn der Superstar 2010 gesucht wird, kann sich Katka, wie sie auch liebevoll genannt wird, bereits als Gewinnerin der Variante aus der Slowakei glücklich schätzen, den Absprung aus der BMG Maschinerie geschafft zu haben, in der sie kaum Einfluss auf die Songs hatte.
Nebotrasenie ist bereits das dritte Album der knapp 28jährigen und das erste, bei dem ihr das kleine Label Slnko Records als Co-Produzentin die Unabhängigkeit gibt, ihre eigene Richtung zu gehen. Mit der Sicherheit erstklassiger Musiker, die sie begleiten, hat sie ein wunderbares Werk geliefert, das unbedingt hörenswert ist.
Das Album erhielt ich zeitgleich mit zwei weiteren CDs, die ich nur kurz anspielen wollte. Zum Leidwesen der MixTape-Fee, die eigentlich mit mir Einkaufen gehen wollte, blieb ich bei Nebotrasenie hängen und war ganz gefangen von der Bandbreite der Lieder, die eine Mischung aus Chanson, Folk, Jazz und einen Hauch von Pop umfasst. Beeindruckend ist darüber hinaus, dass das Album mit der gewissen Schwere durchzogen ist, die wohl aus slawischen Einflüssen resultiert.
Erwähnenswert ist noch, dass Katka mit Blues O Nespavosti einen erstklassigen Blues präsentiert, der deshalb besonders und ungewöhnlich klingt, weil er slowakisch gesungen wird.
Nebotrasenie ist aber nicht nur eine Sammlung von Liedern, sondern auch ein Buch voller Gedichte, die von Michal Baláž geschrieben wurden. Mangels Kenntnis der slowakischen Sprache bleibt mir dies allerdings unerschlossen. Vielleicht gibt es einmal eine deutsche Übersetzung, denn Katka wird wohl in diesem Jahr Deutschland besuchen kommen. Bisher tourte sie durch Tschechien, durch die Slowakei und spielte in England. Für 2010 ist eine kleine Tour durch Deutschland, Österreich, und Frankreich geplant.
Insgesamt ist Nebotrasenie eine vorweihnachtliche Überraschung besonderer Art gewesen, über die ich mich besonders gefreut habe. Natürlich kann man über die obligatorische MySpace Seite einen Eindruck gewinnen.
The Psychos | Blood Sweat Rock’n Roll
von musicampus | 22. Dezember 2009 | 10:51 Uhr
Normalerweise verbinde ich als Norddeutscher mit Südtirol die Dolomiten und Bergidylle. Was Musik aus Südtirol angeht, bauen sich vor meinem geistigen Auge volksmusiksingende Damen im Dirndl und bärtige Zitherspieler auf. Dass dies wieder einmal nichts als Vorurteile sind, beweisen The Psychos aus Bozen, die jüngst ihr Album Blood Sweat Rock’n Roll veröffentlicht haben. Eva und Tom vom Netlabel Airbagpromo Records machten mich auf die Punk’n Roll Band aufmerksam, deren Album unter der Creative Commons-Lizenz (BY-NC-ND) steht und frei herunter geladen werden darf.
Derzeit besteht die Band, die in ihrer Urversion bereits seit 2002 besteht, aus Roberto Favalli (voc, git), Thomas Pichler (git), Marco Vicentini (b) und Daniel Grüner (dr), wobei die Band in den vergangenen Jahren einige Personalwechsel überstand.
Blut, Schweiß, Rock’n'Roll ist das Resultat einer sieben Jahre währenden Lehrzeit mit intensiven Live-Auftritten, die die Band auf die wohl schlimmsten Bühnen Europas führte. Das Album ist sehr rauh und direkt und wirkt mitunter wie eine gefährliche Mischung aus Feuer, Kunst und Leidenschaft.
Die Band spielt ihren Punk’n Roll ziemlich kompromisslos und rockt sich bereits nach wenigen Takten in das Herz des Zuhörers. Der muss allerdings dieser Musikform ziemlich zugeneigt sein, sonst fühlt er sich bereits nach den angesprochenen wenig Takten schnell überfordert.
Mir gefällt die Musik der Psychos ziemlich gut – manches Mal fühlte ich mich beim Hören an die Appetite for Destruction oder Lies von Guns N’Roses erinnert.
Außerdem bin ich mir sicher, dass man nach diesem Album mit Südtiroler Musik nie wieder Volksmusik assoziieren wird.
Allerdings wundert mich, dass auf dem Album der Hinweis über explicit lyrics fehlt.
Kristina Kanders | Say Something
von musicampus | 16. Dezember 2009 | 17:29 Uhr
Bereits heute gibt es mit der Vorstellung von Kristina Kanders und ihrem Album Say Something eine großartige kleine Vorabbescherung. Kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass dieses Album erst ab dem 22.01.2010 zu erwerben sein wird. Dennoch möchte ich es hier schon jetzt erwähnen, da dieses klanglich einmalige Kaleidoskop geeignet ist, seine weihnachtlichen Gutscheingeschenke sinnvoll und gut anzulegen. Mir blieb beim ersten Hören die Spucke weg, trotzdem ich zunächst nicht wusste, wie ich die Musik einordnen soll. Irgendwie klingt das Album nach Elektro, irgendwie nach Jazz, irgendwie poppig und vor allem klingt es irgendwie ungewöhnlich und abgefahren.
Diese Form der Musik scheint genau zur Vita dieser mir bis dato unbekannten und außergewöhnlichen Künstlerin zu passen. Kristina Kanders, 1962 geborene Kölnerin und Tochter der weltberühmten Konzertsängerin Agnes Giebel, ist Schlagzeugerin und Komponistin. Das musikalische Talent wurde ihr in die Wiege gelegt, denn bereits mit vier Jahren sang sie und spielte Klavier. 1987 ging sie nach New York, um dort Jazz zu studieren (Masters Degree, Queens College) und blieb dort achtzehn Jahre.
Während ihrer Zeit in New York lernte Kristina international renommierte Künstler kennen und spielte beispielsweise gemeinsam mit Cyro Baptista’s Beat the Donkey, Emiliana Torrini, Pizzicato Five, John Zorn oder Marc Ribot.
Weitere internationale Erfahrung sammelte sie bei Tourneen durch die USA, Holland und Portugal sowie musikalische Studienreisen nach Südindien und Brasilien. Außerdem war sie elf Jahre Dozentin für Schlagzeug, Percussion und Gehörbildung am Jazz & Contemporary Music Program der New School University in New York.
Derzeit produziert Kristina Kanders vornehmlich ihre eigene Musik und veröffentlichte ihr Solo Debütalbum For All People im Jahre 2008. Darauf folgten Konzerte, die sie teils allein, teils im Duo mit Bernd Gast an den Keyboards und Laptop bestritt.
Nur gute sechzehn Monate nach dem ersten Album erscheint nun im kommenden Januar das angesprochene Album Say Something, das zehn neue Kompositionen umfasst, die akustische und elektronische Klänge zwischen Jazz und Pop mit ihrer ganz persönlichen Handschrift verbinden.
Was mich an diesem Album beeindruckte, sind die durchweg experimentierfreudigen Sounds, mit denen sie arbeitet. Sie verknüpft in für mich noch nicht gehörter Form vielfältige Rhythmen und Grooves mit – ich nenne es einmal so – traditionellen Instrumenten wie Saxophon oder der wohl nicht jedem bekannten Quica.
Meine anfängliche Skepsis wich der Neugier, die dann in Begeisterung umschlug. Wer sich vorab schon einen Höreindruck verschaffen möchte, sollte ihre Website oder die obligatorische MySpace Seite besuchen. Meine beiden Favoriten des Albums sind Good Moaning und Kimnara.
Übrigens vertreibt sie, ganz independant Künstlerin, das Album selbst über iTunes, Amazon und über ihre Homepage unter music.
Die CD-Releaseparty findet am 22.01.2010 im Herbrand’s in Köln statt.






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