Queen Klassical in Wilhelmshaven
von musicampus | 19. April 2010 | 20:08 Uhr | 9 Kommentare
Vor ein paar Tagen habe ich an dieser Stelle vom Queen Klassical berichtet, das von der Queen Coverband Merqury gemeinsam mit dem Orchester und dem Chor der Universität Bremen bestritten wurde. Mit ein wenig gemischten Gefühlen machte ich mich auf die Reise an den Jadebusen, da es in meinen Augen etwas Besonderes ist, wenn man sich anschickt, die Werke einer besten Bands der Welt zu interpretieren. Gerade wagemutig erscheint es dann, wenn die Band dies gemeinsam mit Chor und Orchester und neuen Arrangements in Angriff nimmt.
Meine leichten Zweifel wurden allerdings schon bei der Overtüre Lügen gestraft und während des gesamten mehr als zweistündigen Konzerts hörte ich fasziniert den Musikern zu. Sowohl Merqury als auch der besagte Chor samt Orchester unter der Leitung von Bernd Wefelmeyer, der auch für die Arrangements verantwortlich war, haben Großartiges geleistet.
Geradezu symbiotisch ergänzten sich alle Beteiligten und schafften ein Klangbild, das die echten Queen wohl nicht besser hinbekommen hätten. Schloss ich die Augen, konnte ich die Stimme des Sängers von Merqury meistens fast nicht von der Freddie Mercurys zu unterscheiden.
Wunderschön waren auch die dargebotenen Gesangsduette von Johnny Zatylny und der Sopranistin Sandra Danyella. In Verbindung mit den glamourösen Auftritten in Abendrobe verliehen diese Auftritte dem Gesamtbild eine ganz besondere Note.
Faszinierend war im übrigen der Bassist Volker Kaminski, der mit Oberamen ausgestattet ist, die wohl dem Umfang meiner Oberschenkel haben dürften. Dass er derartig muskelbepackt filigrane Bassläufe bewerkstelligen konnte, grenzt für mich fast an ein Wunder (seine Finger habe ich leider nicht sehen können).
Insgesamt war dieses Konzert in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich: wieder einmal hat Musik zeigen können, dass sie generationsübergreifend Freude bringen kann. Meine 82jährige Schwiegeroma war so begeistert, dass es nicht gelogen ist, sie als Queen Fan zu bezeichnen. Auch das tolle Zusammenspiel von Musikern aus den Bereichen E- und U-Musik warf wieder einmal die Frage auf, ob diese Kategorisierung eigentlich sinnvoll ist.
Allerdings verstehe ich eines nicht: im Vorfeld des Konzerts wurde richtig viel und sehr intensiv geprobt. Dennoch war das Konzert in dieser Konstellation offenbar einmalig. Weshalb man die Möglichkeit nicht beim Schopfe ergriff, um auch in Bremerhaven, Bremen oder Oldenburg zu spielen, verstehe ich nicht. Dies ist ein Verlust für alle Beteiligte und auch für potenzielle Zuhörer.
Wer aber die Möglichkeit bekommen sollte, ein Queen Klassical mit Merqury einmal live zu sehen, sollte diese unbedingt wahrnehmen!
Mile End | Milky Tea
von musicampus | 16. April 2010 | 20:14 Uhr | kommentieren
Als musicampus vor vier Jahren das Licht der Welt erblickte, hatte ich die Gelegenheit, die Gießener Band Mile End das erste Mal live zu sehen und berichtete darüber. Mein alter Weggefährte Alexander Nüske, den ich vor ewigen Zeiten in Liverpool kennen und schätzen lernte, war damals Keyboarder bei der Band und organisierte ein Interview. Das erste Interview, das ich für musicampus führte. Seitdem habe ich aus der Entfernung immer wieder ein wenig von der Band gehört und verloste sogar einmal deren damals aktuelle EP.
Mittlerweile hat sich die Besetzung von Mile End ein wenig geändert, u.a. ist Alex nicht mehr dabei, aber es gibt sehr gute Neuigkeiten: das aktuelle Album Milky Tea ist mittlerweile veröffentlicht worden und wurde mir freundlicherweise von der Band zur Verfügung gestellt.
Schon damals war ich fasziniert von den im Grunde poppigen Songstrukturen mit immer wieder völlig überraschenden Breaks und Offbeat-Einlagen und war gespannt, was Milky Tea bringen wird.
Zwölf Songs sind auf dem Album enthalten, die diejenigen, die die Band bereits kennen, begeistern dürften. Mile End sind sich mit diesem Album treu geblieben, klingen aber anders, was nicht zuletzt am Saxophonspiel von Thomas Pleger liegen dürfte. Das Fehlen der Orgel und des E-Pianos wird durch neuartige, saxophonbestimmte Arrangements ausgeglichen. Ob dies nun besser ist oder nicht, möchte ich gar nicht beurteilen – es klingt wirklich anders und vor allem wirklich gut.
Beeindruckt hat mich wieder einmal Annika Bock. Wenn man sie persönlich kennt und sie gesehen hat, ist man immer wieder überrascht, wie erstaunlich tief und kraftvoll ihre Stimme klingt. Thomas Charisse und Dirk Papendorf bilden die Rhythmussektion, die auf mich wirkt, als hätten sie schon immer miteinander gespielt. Den Abschluss bildet Konrad Bohl an der Gitarre, der auch auf diesem Album wieder mit seiner stilistischen Vielfalt eine sichere Bank bildet.
Insgesamt dürfte Milky Tea das wohl zahmste Werk sein, das die fünf Musiker produziert haben, aber in meinen Augen ist es auch das interessanteste und gelungenste Album.
Ambiguous Art, Blockhead und Standing In Line sind meine absoluten Favoriten und spiegeln die Vielfalt, die instrumentalen Fähigkeiten und das erstklassige Songwriting wider.
Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, sollte auch einmal auf die MySpace Seite schauen.
MerQury | Queen Klassical in Wilhelmshaven
von musicampus | 14. April 2010 | 20:27 Uhr | 1 Kommentar
Mittlerweile ist es schon fast 19 Jahre her, dass Freddie Mercury das Zeitliche segnete und damit Queen eigentlich ein viel zu frühes Ende bescherte. Halt! Stop! So mag nun der eine oder andere Leser argumentieren: Queen gibt es doch noch. Die haben doch nach Mercurys Tod mit Made in Heaven noch ein Album mit Freddies Stimme herausgebracht und waren doch auch weiterhin fleißig. Aber mal ehrlich: auch wenn beispielsweise das jüngste Werk The Cosmos Rocks ein wirklich gelungenes Album geworden ist: von Queen sind eigentlich nur Roger Taylor und Brian May übrig geblieben, nach dem John Deacon 1997 die Gruppe verlassen hat und auch Paul Rodgers Einsatz als Sänger lediglich ein Intermezzo war.
Kurios fand ich es, als ich hörte, dass es eine Band mit Namen Merqury gebe, die demnächst in Wilhelmshaven ein ganz besonderes Konzert geben wird: ein Queen Klassical, bei dem eine Auswahl ganz besonderer Songs der Briten live mit Orchester und Chor der Universität Bremen aufgeführt werde. Diesen Samstag um 21:00 Uhr ist es in der Wilhelmshavener Stadthalle dann soweit und durch die Mund-zu-Mund-Propaganda sind nur noch knapp 100 Plätze frei.
Das Queen Klassical ist ein Crossover-Projekt zwischen Rock und Klassik mit Songs von Freddie Mercury. Die Band MerQury hat bei dem renommierten Berliner Arrangeur, Komponisten und Dirigenten Bernd Wefelmeyer ein abendfüllendes Arrangement von 19 Freddie Mercury-Songs für Rockband, Sinfonieorchester und großen Chor in Auftrag gegeben und tourt damit in Kooperation mit verschiedenen Orchestern und Chören seit 2007. Das Queen Klassical enthält Songs von Freddie Mercury aus dem Queen-Repertoire sowie Klassik-Adaptionen seines Barcelona-Albums mit Montserrat Caballé.
Wer am 17.04.2010 noch nichts vor hat, sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Aus erster Quelle weiß ich bereits, dass das Konzert ein großartiges Hörereignis wird!
Karten für Kurzentschlossene gibt es beim Vorverkauf der Stadthalle Wilhelmshaven.
Vier Jahre musicampus
von musicampus | 5. April 2010 | 20:20 Uhr | 9 Kommentare
Still ist es um den Podcast geworden, ruhig ging es auch in den vergangenen Wochen bei musicampus zu. Aber dennoch: musicampus feierte vergangene Woche sein vierjähriges Bestehen. Am 01.04.2006 ging die erste Podcast Episode online. Mittlerweile hat sich eine Menge interessanter Folgen im Archiv angesammelt. Auch die Blogbeiträge wurden immer umfangreicher. Anfangs nur als Kurzbeschreibung für meine Podcast Episoden gedacht, macht es mittlerweile – ich gebe es nur ungern zu – mehr Spaß, über Bands zu schreiben, als per Podcast darüber zu berichten. Vor allem, weil mir oft die Möglichkeit verwehrt bleibt, Musik im Podcast abzuspielen, wirken Audiobeiträge sinnlos, wenn es nichts darin nichts über die besprochenen Künstler zu hören gibt.
Vier Jahre musicampus bedeutet auch weiterhin: Kennenlernen und Verbreiten von Informationen zu interessanten Künstlern, die ich ohne musicampus vermutlich nie kennen gelernt hätte.
Manchmal kommt mir musicampus in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. schon geradezu anachronistisch vor, da Blogs tot sind und das private Podcasting in Deutschland von etablierten Medien immer weiter in eine kleine uninteressante Nische gedrängt wird. Ein Versuch, einen regelmäßigen Podcast Stammtisch in Bremen zu etablieren ist mittlerweile grandios gescheitert und von mir aufgegeben worden.
Um so mehr freut es mich, dass alte Weggefährten, die mir die ersten Schritte zum Bloggen/Podcasting erleichterten und mich bei Fragen immer gern unterstützten, wieder oder noch dabei sein. Genauso freut es mich, dass Blogger und Podcaster, die ich schon seit Jahren verfolge, noch dabei sind.
Nun geht es also ins fünfte Jahr und am 01.04.2011 werde ich hoffentlich auf ein halbes Jahrzehnt musicampus zurückblicken können.
My Name Is Music | Revolution
von musicampus | 25. März 2010 | 19:54 Uhr | 4 Kommentare
Eigentlich hätte ich diesen Beitrag auch “Post aus Österreich” nennen können, denn aus Wien kommt das Duo My Name Is Music, das mit seinem Album Revolution ein weiteres Mal beweist, dass österreichische Künstler nicht ausschließlich volkstümliche Musik machen. Allerdings wäre der Titel nicht richtig, da die Post eigentlich aus Bonn kam, denn dort sitzt das Label The Finest Noise Promotion, das mir dieses Album zugeschickt hat. Die Kontaktaufnahme erfolgte über eine Empfehlung von musicampus durch einen Bekannten des Label Inhabers. Da bedanke ich ich ganz artig und freue mich, dass sich musicampus zum Gesprächsthema entwickelt.
Phoebe Hall und Niki Altmann sind die beiden Künstler, die das Duo My Name Is Music bilden, das weit ab vom Mainstream Lieder aufgenommen hat, die durch Eingängigkeit, Ideenreichtum und musikalisches Können überzeugen. Kein huschhusch produzierter Cash-Trash malträtiert den Zuhörer, sondern fein arrangierte und abwechslungsreiche Lieder, die unterschiedlicher nicht sein können, überraschen beim ersten Hören.
Zwar zieht sich ein roter Faden von Anklängen an die 60er und 70er Jahre durch das Album, aber das ruhige Queen Of The World unterscheidet sich so sehr von Oh Shit My Boyfriend Is Darth Vader, dass man meinen könnte, das Duo habe sich noch nicht gefunden und probiere noch aus. Allerdings dürfte dies kalkuliert sein, da sich die beiden Werke insgesamt so harmonisch in das ganze Album einfügen, dass man es als solches hören muss, um es zu verstehen.
Auch wenn Revolution geradezu minimalistisch produziert wurde, hat man aufgrund des filigranen Bass- und Gitarrenspiels von Niki Altmann nie das Gefühl, etwas zu vermissen. Abgerundet wird das Gesamtbild durch den Gesang von Phoebe Hall. Anhören sollte man sich auf jeden Fall Birthday Cake – ein wunderbares Duett für Stimme und Bass.
Schade finde ich, dass My Name Is Music offenbar nur über eine MySpace Seite verfügt. Gern hätte ich mehr über dieses außergewöhnliche Duo und die Künstler, die dahinter stehen erfahren.






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