My Name Is Music | Revolution
von musicampus | 25. März 2010 | 19:54 Uhr
Eigentlich hätte ich diesen Beitrag auch “Post aus Österreich” nennen können, denn aus Wien kommt das Duo My Name Is Music, das mit seinem Album Revolution ein weiteres Mal beweist, dass österreichische Künstler nicht ausschließlich volkstümliche Musik machen. Allerdings wäre der Titel nicht richtig, da die Post eigentlich aus Bonn kam, denn dort sitzt das Label The Finest Noise Promotion, das mir dieses Album zugeschickt hat. Die Kontaktaufnahme erfolgte über eine Empfehlung von musicampus durch einen Bekannten des Label Inhabers. Da bedanke ich ich ganz artig und freue mich, dass sich musicampus zum Gesprächsthema entwickelt.
Phoebe Hall und Niki Altmann sind die beiden Künstler, die das Duo My Name Is Music bilden, das weit ab vom Mainstream Lieder aufgenommen hat, die durch Eingängigkeit, Ideenreichtum und musikalisches Können überzeugen. Kein huschhusch produzierter Cash-Trash malträtiert den Zuhörer, sondern fein arrangierte und abwechslungsreiche Lieder, die unterschiedlicher nicht sein können, überraschen beim ersten Hören.
Zwar zieht sich ein roter Faden von Anklängen an die 60er und 70er Jahre durch das Album, aber das ruhige Queen Of The World unterscheidet sich so sehr von Oh Shit My Boyfriend Is Darth Vader, dass man meinen könnte, das Duo habe sich noch nicht gefunden und probiere noch aus. Allerdings dürfte dies kalkuliert sein, da sich die beiden Werke insgesamt so harmonisch in das ganze Album einfügen, dass man es als solches hören muss, um es zu verstehen.
Auch wenn Revolution geradezu minimalistisch produziert wurde, hat man aufgrund des filigranen Bass- und Gitarrenspiels von Niki Altmann nie das Gefühl, etwas zu vermissen. Abgerundet wird das Gesamtbild durch den Gesang von Phoebe Hall. Anhören sollte man sich auf jeden Fall Birthday Cake – ein wunderbares Duett für Stimme und Bass.
Schade finde ich, dass My Name Is Music offenbar nur über eine MySpace Seite verfügt. Gern hätte ich mehr über dieses außergewöhnliche Duo und die Künstler, die dahinter stehen erfahren.
The Chieftains feat. Ry Cooder | San Patricio
von musicampus | 22. März 2010 | 19:30 Uhr
Welcher Teufel mich geritten hat, die Chieftains mit einer britischen Alternative Pop Band in Verbindung zu bringen, als ich meinen iPod mit San Patricio für eine längere Bahnfahrt vorbereitete, weiß ich bis heute nicht. Aus Hamburg erreichte mich ein paar Tage vorher deren aktuelles Album, produziert vom Chieftains Mastermind Paddy Molony und Ry Cooder. So stand ich also einige Minuten später an einem verregneten Samstagmorgen an der Bushaltestelle, schaltete meinen iPod in Erwartung ebendieser britischen Musik ein und wurde von allerbester mexikanischer Folklore überrascht. Ich muss nicht extra erwähnen, dass das Bild, das sich mir bot, etwas Skurriles hatte: die Regentropfen tanzten vor mir in den Pfützen, das Tageslicht hatte noch nicht seine volle Stärke erreicht und über die mexikanische Musik in meinen Ohren stellte sich bei mir prompt eine Art von Urlaubsgefühl mit äußerst guter Laune ein. Fehlte nur noch ein Tequila Sunrise, der natürlich morgens um kurz vor halb neun nicht nur undenkbar sondern schlichtweg nicht zu bekommen war.
Es drängte sich mir die Frage auf: wer sind die Chieftains? Diese Frage war nach meiner abendlichen Rückkehr schnell beantwortet, warf aber viele weitere Fragen auf und ließen mich erkennen, dass dieses Album San Patricio etwas ganz Besonderes sein muss.
Die Musik ist großartig und die Mischung aus mexikanischer und irischer Folklore hat etwas Eigenes, das ich vorher noch nicht in dieser Form gehört hatte. Dass Ry Cooder schon seit längerem nicht mehr ausschließlich als der König der Slide-Guitar zu betrachten war, ist mir spätestens seit dem 2005 erschienenen Album Chávez Ravine bekannt.
Aber hinter diesem Album steckt mehr, denn musikalisch wird eine Episode aus dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg 1848, in dem Mexikaner gemeinsam mit Iren gegen die USA gekämpft haben, aufgearbeitet (folgende Beschreibung entnahm ich der Pressemitteilung von networking-media):
Während des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs verließen Captain John Riley und ein kleines Bataillon, das größtenteils aus Iren bestand, ihren Posten in den USA und beschlossen, ihrem Gewissen folgend, Seite an Seite mit der mexikanischen Armee unter dem Kommando von General Antonio López de Santa Anna gegen die Nordamerikaner zu kämpfen.
Von den Amerikanern wurden sie daraufhin als Verräter und Deserteure geschmäht und weitgehend aus den Geschichtsbüchern verbannt. Generationen von Mexikanern und Iren aber feiern sie bis in die heutigen Tage hinein als Helden, die sich mutig gegen einen ungerechten und nur notdürftig verschleierten Angriffskrieg zur Wehr gesetzt hatten.
Zwar kämpften in den Reihen der San Patricios auch Benachteiligte und Unterdrückte anderer Nationen (u.a. Deutsche, Polen und Schotten), aber die Mehrzahl waren Iren, die erst kurz zuvor, in Amerika gelandet waren. In ihrer Heimat hatten sie unter der Knute der englischen Großgrundbesitzer gelitten und die verheerenden Folgen einer Hungersnot kennengelernt, zu deren Eindämmung die britischen Behörden nichts unternahmen.
In Amerika angekommen, blieb ihnen durch ihre Armut und die Umstände kaum etwas anderes übrig, als sich der Armee anzuschließen, wo sie dann meist unter englischstämmigen, protestantischen Offizieren dienen mußten, die sie denselben Demütigungen aussetzten, die sie schon in ihrer Heimat erfahren hatten.
Für einige war der Mexikanisch-Amerikanische Krieg ein Religionskrieg, für andere ein Freiheitskampf und für eine weitere Gruppe war es ein Krieg, der Abenteuer und Aussicht auf ein besseres Leben versprach. Am Ende war es für Mexiko und die San Patricios aber ein tragischer Krieg mit großen Verlusten. Die wenigen überlebenden San Patricios wurden von den mit ihnen gefangenen mexikanischen Soldaten getrennt, wegen Hochverrats vor ein Kriegsgericht gebracht und dann meist dem Henker übergeben oder mit einem “D” für Deserteur auf beiden Wangen gebrandtmarkt.
Paddy Moloney war von dieser Geschichte sehr fasziniert und begab sich auf die Suche nach der Musik, die die Mexikaner und Iren verbunden haben muss, als sie zusammengelebt haben. In gemeinsamer Arbeit mit Ry Cooder und den Chieftains entstand dieses wirklich außergewöhnliche Album San Patricio, dessen Musik vom ersten Lied an überzeugt.
Ein interessantes Interview von Ry Cooder gibt nochmals seine Sichtweise ausführlich wieder.






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