Dr. Will | Speak Of The Devil
von musicampus | 27. Februar 2010 | 18:48 Uhr
Immer wenn ich Post aus Hamburg bekomme, weiß ich, dass mich wieder etwas Besonderes erfreuen wird. Denn in Hamburg sitzt ein Musikkenner, der eine Nase für Musiker der ungewöhnlichen Art hat. Meist sind deren Alben thematisch weit weg vom üblichen Mainstream, haben ihren ganz eigenen Charakter und wurden von Künstlern produziert, die ihr Handwerk gelernt und es verstanden haben.
Genau so verhält es sich bei Dr. Will, der Ende Januar 2010 sein Album Speak Of The Devil veröffentlicht hat. Von diesem Künstler habe ich vorher noch nichts gehört, geschweige denn von seinem Vorgängeralbum Itching Again. Ein Fehler, wie ich wieder einmal feststellen musste, denn dieses mir vorliegende Album Speak Of The Devil ist wirklich ungewöhnlich und der Künstler bereits seit mehr als 20 Jahren aktiver und erfolgreicher Musiker.
Verschrieb er sich zunächst der R’nB’-Szene, gab ein Aufenthalt in New Orleans, während dessen er den Louisiana-Style des R’n'B kennen und schätzen lernte, seinem künstlerischen Schaffen eine neue Wendung. Er kultivierte seine in den USA gewonnenen Eindrücke in Deutschland und avancierte im Laufe der Zeit zu einem gern gesehenen Gast nicht nur auf Festivals und Konzerten. Dr. Will spielte nicht nur für die Ludwig Seuss Band oder Willy de Ville, sondern produzierte auch die Alben von Al Jones und Chris Hall.
Bereits 2006 begann Dr. Will mit den Arbeiten an Speak Of The Devil und schon der erste Blick auf das Cover ließ mich staunen, denn nicht weniger als 18 Songs – gestaffelt in drei Aufzüge – sowie vier Videos erhält man beim Kauf der CD.
Speak Of The Devil ist ein Konzeptalbum, durch das ein roter Faden führt. Erzählt wird die Geschichte von Walter, Willie und Sally und deren Schicksale, deren Geschichten sowie kleine und große Tragödien. Eingebettet sind diese kleinen Lebensgeschichten in eine Jahrmarktattraktion – dem Voodoo Barbecue. Ein Voodoo Guru führt durchs Programm und am Ende müssen alle sterben.
Liest man, dass ein Album ein Blues Album sei, hat man eine gewisse Ahnung, was einen beim Anhören erwartet. Allerdings konnte ich diese Erwartung bereits beim ersten Song ad acta legen, da die Musik von Dr. Will sehr eigenwillig arrangiert wurde. Neben unzähligen Blues untypischen Instrumenten wie Banjo, Sitargitarre, Cello, Xylophon, Glockenspiel, Ukulele, Weingläsern, Mund-Perkussion und Beatbox wartet das Album mit elektronischen Loops und einem 20-köpfigen Kinderchor auf.
Dr. Will will mit seinem Album nicht gefallen – er biedert sich nicht mit gefälligen Arrangements und wohlgefeiltem Gesang an. Darüber sollte man sich vor dem Anhören klar sein. Doch wer sich der Herausforderung stellt, wird nicht enttäuscht sein, da Dr. Will einen unwillkürlich in die fiebrige Atmosphäre des Voodoo zieht. Ein musikalisches Spektakel, das man sich auf seiner Seite anhören kann. Wer sich hat überzeugen lassen, kann das Album bei Amazon und bei ROCKCD kaufen oder zu einem der Konzerte gehen:
06.03.10 DE Gelting, Hinterhalt
10.03.10 DE Eching, Michels Bar*
14.03.10 DE Rohrbach, Incontri
24.03.10 DE Fürth, Kofferfabrik
25.03.10 DE Lichtenfels, Stadtschloss
26.03.10 DE Bad Dürkheim, Krähenhöhle
27.03.10 DE Cloppenburg, Briefkasten
15.05.10 DE Bittstätt bei Erfurt, Himmelfahrte – OpenAir
10.12.10 DE München, ARS Musica im Stemmerhof
11.12.10 DE München, Schrottgalerie Friedel
16.12.10 DE Ingolstadt, Neue Welt
* Acoustic Performance feat. Anja Morell
Fotos: Dean Bennici
Bernd Rinser | GOT YOU
von musicampus | 22. Februar 2010 | 21:29 Uhr
Mittlerweile ist es schon wieder mehr als ein Jahr her, dass ich Southern Swamp Impressions von Bernd Rinser besprochen habe. Zwischenzeitlich berichtete ich über seine Teilnahme bei der German Blues Challenge und Ende des vergangenen Jahres erreichte mich seine Mitteilung, dass sein neues Album kurz vor der Vollendung stand. Mittlerweile ist mit GOT YOU das dritte Album einer Trilogie fertig gestellt und steht kurz vor der Veröffentlichung. Ich schätze mich glücklich, dass ich bereits vorab die Möglichkeit bekommen habe, das mittlerweile fünfte Album dieses außergewöhnlichen Bluesmusikers genießen zu dürfen.
Bernd Rinsers Musik, die er als RootsRock – southern swamp & dusty road ballads bezeichnet, ist dem weiten Feld des Americana zuzuordnen und fest mit Folk, Blues, Country und Soul verwurzelt. Daher ist die Bezeichnung Bluesmusiker eigentlich auch viel zu eng gegriffen, was einem beim Hören seiner Alben unmittelbar bewusst wird.
Ganz in der Tradition der Langspielplatte überschreitet GOT YOU nur geringfügig die 41-Minuten-Marke und bildet mit den Vorgängeralben Peace of Mind (2007), Southern Swamp Impressions/Struck By Love (2008) als Konzeptalben den Abschluss einer kleinen Reihe. Das Konzept bestand darin, ohne Drummer zu arbeiten. Die Percussion-Elemente sollten bei allen Alben nur stützend eingesetzt werden und daher wurde auf den Einsatz eines kompletten Drumsets verzichtet.
Bernd Rinser legt bei seinen Aufnahmen besonderen Wert darauf, trotz Technik und der Möglichkeiten, die einem ein Tonstudio geben kann, eine natürliche Atmosphäre zu schaffen, die seinen Werken einen atmenden und pulsierenden Charakter verleiht.
Dies gelingt ihm auch bei diesem Album wieder und lässt einen manches Mal aufhorchen. Man glaubt beim Hören wieder einmal nicht, dass es ein deutscher Künstler ist, der mit Tom Waits ähnlichem Timbre klug arrangierte Songs darbietet. Gleich das zweite Lied Biblebelt mit seinem charakteristischen Intro versetzt den Zuhörer in den Mittleren Westen der USA.
Genau das ist das Ziel Bernd Rinsers: er möchte den Zuhörer auf eine musikalische Reise mitnehmen, was ihm zweifelsohne gelingt.
Mir hat dieses Album besser gefallen als seine beiden Vorgänger – obwohl ich damals schon sehr begeistert war. Aber insgesdamt erscheint mir GOT YOU abwechslungsreicher und ausgereifter. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann bereits jetzt auf Bernds Homepage unter CDs Auszüge der Songs hören.
Foto: bs-photoart.de
Thorsten Knublauch | Bravo-Beatles-Blitztournee
von musicampus | 21. Februar 2010 | 16:29 Uhr
Vor mehreren Wochen wurde ich vom Betreiber des befreundeten Blog German BEAT! auf Thorsten Knublauchs Buch The BRAVO BEATLES BLITZTOURNEE aufmerksam gemacht. Es sollte sich dabei um eine Zusammenstellung von Fakten rund um die 1966 in Deutschland durchgeführte Tournee der Fab Four handeln. Bei solchen Informationen lasse ich mich nicht zweimal bitten und einige wenige Wochen später lag das Werk auf meinem Schreibtisch: es hat mich mit seiner Fülle an Fakten schier erschlagen. Obwohl ich mich schon seit mehr als 20 Jahren intensiv mit den Beatles auseinandersetze, hat der Autor für die ausführliche Recherche zur Tour ein ganz besonderes Lob verdient.
Thorsten Knublauch erfüllt in dem insgesamt 251 Seiten umfassenden Buch so ziemlich jeden Wunsch rund um Informationen zu Ticketpreisen, Interviews, Setlists oder sogar Bestuhlungspläne. Interessant fand ich die Aufstellung des verwendeten Equipments, spielte 1966 in meinen Augen eine dahingehend besondere Rolle, dass John Lennon u.a. sich beispielsweise von seiner Rickenbacker E-Gitarre verabschiedete und sich der Epiphone E230TD Casion zuwandte.
Das Buch hat insofern “Nerd“-Qualiät – und das ist als Kompliment gemeint, weil Thorsten Knublauch sämtliche akribisch recherchierten Informationen ausführlich mit Fotos, Originaltickets, Plänen und Interviews belegt hat. Er hat somit eine mir bis dato unbekannte und einzigartige Dokumentation des wohl Beatles verrücktesten Wochenendes im Frühsommer 1966 geschaffen.
Sicher handelt es sich bei diesem Buch um keine herkömmliche Lektüre – aber Beatles Freunde in aller Welt dürften sich über dieses ausschließlich in englischer Sprache geschriebene Buch freuen.
Wer interessiert ist, sollte sich Thorstens Website anschauen.
Tomas Bunk mit eigenem Blog
von musicampus | 7. Februar 2010 | 16:08 Uhr
Vermutlich sagen die Namen Tomas Bunk oder Tom Bunk vielen meiner Leser zunächst einmal nichts. Auch bei mir klingelte es noch nicht, als ich im Sommer 2008 im Feuilleton der FAZ las, dass Volker Reiche in dessen Urlaubszeit durch einen gewissen Tom Bunk vertreten werde.
Erst als ich begann, den Comic in zehn Folgen täglich in der FAZ zu verfolgen, erkannte ich, dass Tom Bunk einer der Zeichner neben Don Martin, Sergio Aragonés und Dave Berg ist, der mir aus dem MAD Magazin in Erinnerung geblieben ist. Es ist seine besondere Art zu zeichnen, welche immer leicht hektisch und bewegt wirkt, die mir gefallen hat.
Der Comic in der FAZ zeigt bewegend die Geschichte, wie Tom Bunk von Berlin nach New York kommt und dort schafft und lebt. Diesen Comic fand ich so beeindruckend, dass ich ihm ein kurzes Feedback per E-Mail gab, was ihn wohl so freute, dass er sich dafür persönlich herzlich bedankte.
Vor einigen Wochen erhielt ich eine weitere Mail von ihm, in der er auf sein Blog aufmerksam machte, das er kürzlich parallel zu seiner Website ins Leben gerufen hat und regelmäßig mit seinen Bildern befüllt.
Diese Seite ist nicht nur für Freunde des skurrilen Humors ein absolutes Muss, auch seine Illustrationen sind ein Hingucker! Unbedingt sollte man sich seine Energy Units anschauen.






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