Ina Müller | Die Schallplatte – nied opleggt
von musicampus | 6. November 2009 | 13:06 Uhr | Artikel drucken
Seit Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts tritt immer wieder Ina Müller in mein Leben. Sei es musikalisch mit Queen Bee, auf die ich durch ein Plakat aufmerksam wurde, als ich Ende der 90er Jahre einen Kurztripp nach Sylt unternahm, oder als vorabendliche Gastgeberin in ihren Sendungen Land und Liebe (die mittlerweile von Yared Dibaba übernommen wurde) oder Inas Norden. Natürlich dürfen das preisgekrönte Format Inas Nacht und ihre Alben, in denen sie ironisch u.a. mit Jugendsünden, Nebenbuhlerinnen und dem natürlichen Reifeprozess von Frauen umgeht, nicht vergessen werden.
Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass es einige Gemeinsamkeiten zwischen Ina Müller und mir gibt. Ihre Wurzeln hat sie in einem Dorf unweit von Bremerhaven, das bekanntlich mein Geburtstort ist. Sie lebte einige Zeit auf Sylt, die sie wohl im Gegensatz zu mir nicht nur freiwillig, sondern auch länger dort verbrachte. Ina Müller liebt die Musik und hat offensichtlich eine enge Verbindung zu ihrer norddeutschen Heimat.
Diese Verbundenheit zu Norddeutschland und zum Niederdeutschen (Plattdeutsch) hat sie wohl dazu bewogen, das gerade erschienene Album Die Schallplatte – nied opleggt aufzunehmen. Es handelt sich dabei um ein Werk, das aus zwölf Liedern besteht, die allesamt mit plattdeutschen Texten versehen sind. Während es sich bei drei der Titel um neue Kompositionen handelt, liegen mit den neun anderen Liedern neu arrangierte Adaptionen bekannter Hits vor.
Allein die Idee, Titel wie beispielsweise Lemon Tree oder What’s up neu zu arrangieren und mit plattdeutschem Gesang aufzunehmen, ist schon erwähnenswert. Normalerweise verbindet man plattdeutscher Musik Weisen, Traditionals oder Shantys, die entweder von einschlägig bekannten norddeutschen Bands oder Shanty Chören dargeboten werden. Dass Popmusik, Rockiges oder Jazz im Gewand der plattdeutschen Sprache ein völlig eigenständiges Genre darstellen können, wird beim Hören dieses Albums deutlich.
Insgesamt ist Die Schallplatte – nied opleggt sehr stimmungsvoll. Vor allem wegen der sehr ruhigen Arrangements mit akustischen Instrumenten stellte sich bei mir so eine Art Herbstgefühl ein. Bei gedämpftem Licht und ohne Ablenkung offenbart sich die Tiefe des Werks, zu dem man nicht nur durch die Erzählungen in den Liedern Zugang bekommt, sondern vor allem durch Ina Müllers Gesang. Auf der einen Seite singt sie sehr gefühlvoll, flüstert hier fast mit gebrochener Stimme, um an anderer Stelle gnadenlos ekstatisch zu röhren.
Unbeschreiblich ist ihre Stimme, und das macht wohl auch die Faszination aus. So scheint sie immer am Rande der Stimmlosigkeit, wenn sie wie zum Beispiel im melancholischen Schnee fallt bald, einer grandiosen Interpretation des Real Book Klassikers Autumn Leaves, mit ihrer eigenen heiseren Art von Sehnsucht erzählt. Gänsehaut ist hier vorprogrammiert.
Dieses Album gefällt mir sehr, weil ich eine großartige Ina Müller erlebt habe, die gefühlvoll zeigt, dass plattdeutsches Liedgut nicht nur traditonell sein muss.
Wer aus Sachsen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Österreich oder aus der Schweiz kommt, kann sich glücklich schätzen, denn dort ist Ina Müller im November auf Tour.
Tourdaten:
08.11.2009 Würzburg
09.11.2009 Chemnitz
10.11.2009 Augsburg
12.11.2009 Zürich
13.11.2009 Niedernhausen
15.11.2009 Stuttgart
16.11.2009 Ulm
17.11.2009 Dresden
22.11.2009 Wien
23.11.2009 Linz
24.11.2009 Nürnberg
27.11.2009 Erfurt
28.11.2009 Ilsenburg






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