Plattenladenwoche in Bremen
von musicampus | 29. Oktober 2009 | 11:01 Uhr | Artikel drucken
Kürzlich habe ich erfahren, dass ähnlich dem amerikanischen Vorbild des Record Store Day in Deutschland eine Plattenladenwoche etabliert werden soll, während der der Tonträgerhandel gemeinsam mit verschiedenen Künstlern auf seine Vorzüge und Wichtigkeit für die Musikkultur aufmerksam machen wird. Manchmal frage ich mich, ob die Kids heutzutage nachvollziehen können, wie es ist, in einen Plattenladen zu gehen. Dieses war ein nicht allzu häufiges und damit besonderes Ereignis, das dann eintrat, wenn man sein Taschengeld gespart hatte, um sich eine neue Platte zu kaufen und den Weg in die Innenstadt antrat, um den präferierten Händler aufzusuchen. Dieser kannte einen meist schon und hatte immer einige Neuheiten vorrätig, die dem eigenen Musikgeschmack entsprachen. Nachdem man sich über den Kauf des letzten Albums ausgetauscht hatte, wurde man mit einem geheimnisvollen “Komm mal mit, ich hab da was – das gefällt Dir bestimmt” ins Vertrauen gezogen und zu einem der meterlangen Tische begleitet, in denen nach Genre und Alphabet sortiert die Platten auf ihren neuen Eigentümer warteten.
Immer war es so, dass mindestens eine Person an einem dieser Tische stand und mit typisch eingeknickter Hüfte und beidhändig hantierend nach Neuem suchte. Meistens waren bereits mehrere Scheiben zwischen Arm und Körper eingeklemmt.
Schon fast mit diebischer Freude zauberte der Händler ein Album aus der Menge und bot das sofortige Anhören an einem der bereitstehenden Plattenspieler an. Fachkundig wurde man von ihm beraten, wurden Neuerscheinungen schmackhaft gemacht und letztlich ging man zufrieden mit seinem Einkauf nachhause.
Auch die Vorfreude auf das erste Anhören zuhause – meist verkürzte ein ausgiebiges Studium des Covers im Bus die Fahrt – kennt man heute in Zeiten von amazon und iTunes Store nicht mehr.
Um so mehr hat es mich gefreut, dass in diesem Herbst die Plattenladenwoche veranstaltet wird, das den unabhängigen Fachhandel in seiner gesamten Bandbreite darstellt. In der Zeit vom 30.10. bis 6.11. stehen deutschlandweit Plattenläden und Klassikfachhändler im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Dem von mir beschriebenen Umstand, dass Service, persönliche Beratung und Empfehlungen von Mitarbeitern, die Musik leben und lieben, heute zu kurz kommt, wird mit der Plattenladenwoche entgegengewirkt, in dem der Tonträgerfachhandel in Deutschland seine Stärken prästentiert. Hier stehen die Musik und das Gesamtwerk des Künstlers im Vordergrund. Es soll deutlich gemacht werden, dass der Besuch im Fachhandel ein Erlebnis ist, das mit speziellen Events noch einmal betont wird.
Es werden unter anderem Schaufensterkonzerte und Autogrammstunden für alle Musikliebhaber geboten. Außerdem wird die Plattenladenwoche nicht nur durch Auftritte verschiedener Künstler unterstützt, sondern auch mit Interviews und Autogrammstunden. Ein weiterer Clou ist, dass es limitierte, exklusive Editionen geben wird, die ausschließlich bei den teilnehmenden Fachhändlern vor Ort erhältlich sein werden.
Auch Bremen ist bei der Plattenladenwoche vertreten: Am Samstag, 7. November werden die schweizer Hardrocker Gotthard eine Zugabe zur Plattenladenwoche 2009 geben. Fans und Interessierte können sich ab 17 Uhr bei Hot Shot Records in Bremen einfinden, wo die Band eine Autogrammstunde geben wird.






# 1 von Christoph Schröder am 29. Oktober 2009 um 18:52 Uhr
Plattenläden haben sicherlich was retro gemütliches, doch ich kann gut drauf verzichten. Ich nutze keinen Tonträger mehr, alles nur noch digital. Ich kaufe auch sehr gerne direkt beim Künstler, so ohne Zwischenhändler.
Aber ich denke auch noch gerne an die Zeit zurück, als mein im Laden irgendwelche Japan oder US Importe kaufte, weil man genau dieses Stück haben wollte…
# 2 von Daniel am 2. November 2009 um 15:36 Uhr
Also ich möchte weder auf meine heiß geliebte CD-Sammlung verzichten, die immer noch stetig ausgebaut wird, noch auf meinen Plattenladen – in den ich aus genau den Gründen gehe, die in dem Artikel sehr schön beschrieben werden.
Meine Lieblings-CDs zieh ich mir natürlich auch auf den Rechner, ersetzen kann das meine Plattensammlung allerdings nicht. Auch wenn’s total nach 20. Jahrhundert klingt: Ich brauch was, was ich in der Hand halten kann…