Weserradweg: Hameln (4/4)

von musicampus | 24. Mai 2009 | 13:19 Uhr | Artikel drucken

Um uns für die letzte Etappe unserer kleinen Weserradtour zu stärken, freuten wir uns auf ein reichhaltiges Frühstück im Hotel Goldener Anker. Allerdings währte diese Freude nicht lange. Das Frühstücksbuffet war nicht nur recht mager bestückt, auch waren Wurst und Käse ziemlich lieblos angerichtet und kamen mir sehr bekannt vor. Ähnliche Wurst habe ich als Student im Supermarkt gekauft. Es gab nur normale Brötchen, die ziemlich hart waren und den Saft musste man sich aus einem Automaten ziehen und war eigentlich Nektar – Zuckerwasser eben. Auch Müsli und Cornflakes waren in überschaubarem Maße vorhanden. Die Früchte waren aus der Dose und um Zeit zu sparen, hat man die Flüssigkeit aus der Dose gleich mit in die Schüsseln gegeben, so dass die Ananas beispielsweise sehr saftig daher kam. Was uns da geboten wurde, war ziemlich enttäuschend. Weil es uns in erster Linie darum ging, schnellstmöglich den ungastlichen Ort zu verlassen, begrüßten wir die Angestellte, die im Trainings- oder Hausanzug gerade mit einem Gast abgerechnet hatte, nahmen Platz und begannen unser Frühstück.

Ich habe einige Fotos online gestellt, die über einen Klick auf das Foto oben angezeigt werden.

Normalerweise dauert es nicht lange, bis man nach seinem Getränkewunsch befragt wird. Nicht so im Hotel Goldener Anker. Als nach ungefähr zehn Minuten eine Familie das Restaurant betrat, eilte die Dame im Trainings- oder Hausanzug an uns vorbei, um die Familie zu bewirten. Ein weißer Handabdruck an ihrer rechten Pobacke ließ entweder darauf schließen, dass das Haus über einen frechen Mitarbeiter verfügt oder aber darauf, dass die Gute über kein Handtuch verfügt.

Als ich die Gunst der Stunde nutzte, die Gute abfing und unsere Getränkebestellung aufgab, war diese völlig überrascht, dass ich sie angesprochen habe. Trotzdem nahm sie die Bestellung entgegen und brachte sehr schnell Kaffee und Tee.

Gern esse ich zum Frühstück ein Ei, wenn es sich anbietet. So war auch meine Überlegung an diesem Morgen. Daher ging ich zum Büffet und nahm mir ein Ei aus dem eierwärmenden Korb, fand aber keinen Eierbecher. So schlenderte ich zurück zum Tisch, um nachzuschauen, ob ich einen solchen dort übersehen hatte. Nein, hatte ich nicht. Also ging ich wieder zurück, um mich zu vergewissern, ob ich dort nicht genau genug nachgesehen hatte. Doch hatte ich. Die Gute war nirgends zu sehen und so nahm ich vorerst Platz.

Als sie an unserem Tisch vorbei ging, bat ich sie um einen Eierbecher. Schieres Unverständnis schlug mir aus ihrem Blick entgegen, begleitet von der Frage:”Eierbecher?”. “Eierbecher!”, war meine Antwort und sie zog dahin, um in fünf Metern Entfernung am Buffet festzustellen:”Es sind keine Eierbecher mehr da!”. Sie zog eine Schublade auf, holte einige Eierbecher heraus und stellte sie zum Geschirr, drehte sich zu uns, lief die fünf Meter zu unserem Tisch eierbecherlos herüber, um uns mitzuteilen:”Ich habe neue Eierbecher hingestellt!”. So kam ich dann doch noch zu meinem Frühstücksei.

Schnellstmöglich packten wir unsere Sachen und trugen sie hinunter zum Parkplatz. Dort beluden wir unsere Räder und ich machte mich auf den Weg, mit der Guten das Finanzielle zu regeln. Dies ging übrigens ziemlich unkompliziert und ohne überraschte und fassungslose Blicke. Lediglich meine Frage, ob sie wisse, wie das Wetter werde, wurde fast erwartungsgemäß beantwortet:”Die einen sagen so, die anderen sagen so. Aber man weiß es ja nicht.” – ich musste weg.

Ruckizucki saßen wir auf unseren Rädern, überquerten die Weser und waren blitzschnell wieder auf dem Weserradweg, um Bodenwerder ganz schnell hinter uns zu lassen. Dieser Ort wird es schwer haben, uns je davon zu überzeugen, dass es dort schön ist oder dass man dort gut nächtigen kann.

An der rechten Weserseite entlang ging es nach Daspe, von wo man einen wunderbaren Blick auf das Schloss Hehlen hat, weiter nach Hajen. Von dort aus über Grohnde am Kernkraftwerk Grohnde, das mit seinen beiden Kühltürmen und der Kuppel das Landschaftsbild ein wenig aufpeppt, vorbei an Hagenohsen gegenüber von Emmern nach Tündern vorbei an der Mühle. Kurz vor dem Ohrberg passierten wir einen Wegweiser, der nach Ohr führte und kamen schließlich in der Rattenfängerstadt Hameln an.

Kurz hinter dem Expo-Café rasteten wir und beschlossen, dass unsere Reise per Rad in diesem Ort beendet wird. So fuhren wir zum Bahnhof, um nach den Zugverbindungen zu schauen und kehrten nach Erledigung in die Innenstadt zurück.

Hier bestaunten wir die Sehenswürdigkeiten, gingen durch enge Gassen, die von Fachwerkhäusern gesäumt waren und fanden die bekannte Raths-Apotheke, in der es die berühmten Raths-Tröpfchen gibt. Dies ist eine Medizin, die jedem schmecken dürfte.

Nach dem Besuch eines Eiscafés in der direkten Nähe des Hochzeitshauses radelten wir erneut zum Bahnhof und bestiegen die S5, um nach ca. 40min Hannover zu erreichen. Von dort ging es mit dem RE weiter nach Bremen. Und wir hatten Glück: trotz Vatertag begegnete uns nur eine bierseelige Männergesellschaft.

In Bremen angekommen spürten wir die Auswirkungen des Kirchentags, der hier vom 20.05.-24.05. stattfand. Der Bahnhof war völlig überfüllt. Abends hörten wir in den Nachrichten, dass die Polizei sogar Bahnsteige gesperrt habe, weil die so überfüllt waren.

Auf dem Weg nachhause fuhren wir an der Bürgerweide vorbei und hatten Gelegenheit, den Wise Guys beim Soundcheck zuzuhören. Das war die Möglichkeit, schon einmal einen Eindruck davon zu bekommen, was uns im Herbst in der Glocke erwartet, wenn sie dort auftreten.

Fazit
Recht spontan haben wir beschlossen, eine Radtour durchs Weserbergland zu unternehmen. Gut für einen solchen Fall ist, dass man bei der Wahl des Ziels eine schnelle Möglichkeit hat, wieder in die Heimat zu kommen.

Einen echten Plan hatten wir nicht. Wir wollten jeden Tag so weit fahren, wie uns dies unsere Kondition ermöglichte. Als grobes Ziel hatten anhand einer Profilkarte im Radtourenbuch einige mögliche Orte angestrichen, die wir auch erreicht haben. Dazu sind wir morgens so gegen 10.00 Uhr losgefahren und nachmittags gegen 16.00 – 17.00 Uhr angekommen. Pausen haben wir nach Bedarf eingelegt.

Für zukünftige Touren werden wir so planen, dass wir nicht erheblich mehr als 40km täglich zurücklegen werden. Dann kann man gemütlich (mit Gepäck) fahren und hat nachmittags noch Zeit, den Zielort anzuschauen und kann dort vielleicht noch einiges besichtigen.

Der Weserradweg hat uns sehr gut gefallen und wir werden bestimmt noch den Rest von Hameln bis Bremen zurücklegen. Landschaftlich liegt die Weser wunderschön und die Gebäude aus der Weserrenaissance sind faszinierend. Dass man im Weserbergland auch manches Mal mit Steigungen zu kämpfen hat, dürfte niemanden verwundern. Bleibt man jedoch strikt auf dem Weserradweg, sind die Steigungen erträglich – zumindest bis Hameln; was einen später erwartet, werden wir zu gegebener Zeit berichten.

Die Unterkünfte, die hier beschrieben wurden, sind wirklich sehr empfehlenswert – bis auf die eine o.g. Ausnahme. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass wir einfach Pech gehabt haben und zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren.

Was das Wetter betrifft, hatten wir Glück: es schien fast nur die Sonne und es war sehr warm. Unsere Regenhosen und -jacken brauchten wir nicht ein einziges mal aus den Satteltaschen zu nehmen. Die Unwetter blieben uns glücklicherweise erspart. Selbst wenn es geregnet hätte, wären an einigen Stellen Schauerhäuschen gewesen, in die man sich hätte stellen können. Allerdings gab es auch Strecken, da war über Kilometer keine Unterstellmöglichkeit gegeben.

Es hat riesigen Spaß gemacht und eigentlich ist es schade, dass wir nur bis Hameln fahren konnten. Nächstes Mal nehmen wir uns einfach mehr Zeit und lassen es rollen.

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Kommentare

Eine Antwort zu “Weserradweg: Hameln (4/4)”



  1. # 1 von Wise Guys in der Glocke Bremen - musicampus am 25. Oktober 2009 um 15:07 Uhr

    [...] Mai habe ich, als ich mit der MixTape-Fee von der ersten Etappe der Weserradtour zurückkam, einen Soundcheck der Wise Guys zu deren Auftritt anlässlich [...]

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