Weserradweg: Bodenwerder (3/4)
von musicampus | 24. Mai 2009 | 10:15 Uhr | Artikel drucken
Auch die dritte Etappe unserer Weserradtour begann mit einem ausgiebigen Frühstück. Frau Scherff der Pension Haus am Königsberg hatte schon am Abend vorher auf das umfangreiche Frühstücksangebot hingewiesen. Gut ausgeschlafen und frisch geduscht stiegen wir hinab zum Frühstücksraum. Trotz des sehr entspannenden Aufenthalts in der Weserbergland-Therme machten sich die Muskeln an diesem Morgen bemerkbar und spürbar bleiern fühlten sich meine Beine an, als ich die Holztreppe hinabging. Über eine Galerie, von der man einen wunderbaren Blick in eine Empfangshalle hatte, ging es in den bereits eingedeckten Frühstücksraum. Dort nahmen wir am Fenster Platz und kaum dass wir saßen, erschien Frau Scherff, um unsere Getränkewünsche aufzunehmen. Nebenbei schaltete sie eine an der Wand befindliche Bang & Olufsen Anlage (soweit ich mich erinnere, der einzige Einrichtungsgegenstand außerhalb unseres Zimmers, den man als Kontrapunkt betrachten könnte, der – weil dezent gesetzt – nicht stört, sondern bereichert) ein, aus der leise Entspannungsmusik klang.
Das Frühstücksangebot war der Hit: es gab Vollkornbrötchen, Saft, Marmelade, verschiedenste Sorten von Käse, Auflage in verschiedenen Ausführungen, offenbar selbst hergestellten indischen Frischkäse, frisches Obst und die Eier wurden auf Wunsch frisch gekocht. Wir fühlten uns wie Gott in Frankreich und haben das Frühstück nach den Strapazen des vergangenen Tages richtig genossen.
Irgendwann ließ sich der unvermeidliche Aufbruch nicht mehr hinauszögern, so bezahlten wir unsere Übernachtung und verließen nach einem kurzen Plausch mit Frau Scherff Bad Karlshafen. Wer einmal hier rasten muss, sollte unbedingt nachfragen, ob Familie Scherff noch ein Zimmer frei hat. Wir waren begeistert.
Ich habe auch wieder ein paar Fotos online gestellt, die über einen Klick auf das Foto oben angezeigt werden.
Es ging nach einem kurzen Aufenthalt beim ansässigen Supermarkt durch die Innenstadt über die Brücke auf die andere Weserseite. Nach wenigen Kilometern zeichnete sich auf der rechten Weserseite das ehemalige Kernkraftwerk Würgassen ab und durchschnitt mit seinem hohen Aufbau das Landschaftsbild.
Über Beverungen, Blankenau und Wehrden, die landschaftlich sehr schön gelegen sind, ging es weiter nach Höxter. Hier überlegten wir, eine Pause zu machen, entschieden uns aber, weiter bis nach Corvey zu fahren, um uns das bekannte Schloss Corvey, das mal ein Kloster war, anzuschauen.
Mittlerweile war es Mittag geworden und wir haben ein paar hundert Meter hinter dem Schloss einen großen Baum gefunden, unter dem wir unser mitgebrachtes Mittagessen einnahmen. Dann ging es immer weiter entlang der Weser bis nach Holzminden, wo wir für eine lange Zeit das letzte Mal so etwas wie Zivilisation sahen. Die kommenden 40km waren durch Wiesen und Felder geprägt. Es ging weserrechtsseitig vorbei an Bevern, Heinsen, Polle, Brevörde, Reileifzen, Grave und durch Dölme.
Irgendwann erreichten wir Rühle und stellten fest, dass mit den Kilometerangaben etwas nicht stimmen konnte. Unsere Tachos zeigten viel mehr gefahrene Kilometer an als die Vorgaben aus dem Radführer und die Schilder, die uns den Radwanderweg wiesen. Sollten es an einer Stelle nach Rühle noch 15km gewesen sein, waren es nach einer halben Stunde immer noch 12,5km. Zeigte uns ein Schild an einer Stelle noch 4km bis Rühle an, waren es kurze Zeit später wieder 5km. In Anbetracht der bereits zurückgelegten Kilometer und des nicht enden wollenden Wegs nach Bodenwerder war dies frustrierend.
Kurz vor unserem Ziel Bodenwerder mussten wir noch durch das Werksgelände der dort ansässigen Rigips Fabrik fahren, was ein seltsames Gefühl war, da die Lkw den Radweg kreuzten.
Hungrig und erschöpft – der Tacho zeigte runde 75km an – erreichten wir Bodenwerder, die Stadt, in welcher der Baron von Münchhausen lebte, und freuten uns auf eine Rutschpartie auf der Bodenwerder Sommerrodelbahn. Vorher mussten wir noch eine Unterkunft finden, was sich als schwierig herausstellen solle. Drei Absagen erhielten wir, bis wir in den sauren Apfel bissen und im Hotel Goldener Anker nach einem Zimmer fragten, wo noch eines frei war.
Die junge Dame an der Rezeption stellte ein Standardzimmer (89EUR) oder ein DeLuxezimmer (99EUR) zur Auswahl. Wir entschieden uns für ein DeLuxezimmer, die leider allesamt ausgebucht waren, wie die junge Dame nach Prüfung feststellen musste. So buchten wir ein Standardzimmer, schlossen unsere Räder in die Fahrradgarage und gingen hinauf aufs Zimmer. Dort traf uns fast der Schlag: Standard 50er Jahre war mein erster Eindruck. Das Zimmer war klein und spärlich eingerichtet. Der Fernseher stand an der Kopfseite des Betts und eine Art Schranktür führte zur Nasszelle. Bad kann man diesen Schlauch nicht nennen. Ein Foto habe ich der Galerie beigefügt (obiges Bild anklicken). Setzte man sich auf die Toilette, stießen die Knie bereits an die Wand und der Duschvorhang war bewohnt von Familie Weberknecht. Ein Bett mit so weichen Matratzen, dass man gut und gern in einer Hängematte hätte schlafen können. Dazu lag das Zimmer genau gegenüber der Treppe und hatte nur eine einfache Holztür, so dass jedes Gespräch auf dem Flur mitzuhören war.
Nicht, dass ich jetzt missverstanden werde: ich habe nichts gegen einfaches Wohnen. Aber im Vergleich zu den vorangegangenen Nächten, die mehr als 20EUR günstiger waren, hatten wir dort Luxuszimmer und ein rundum angenehmes Ambiente. Daher war die Enttäuschung riesengroß und in unseren Augen verständlich, wenn man sich die Fotos anschaut.
Müde und frustriert verließen wir das Hotel und gingen zur Sommerrodelbahn. Auf dem Weg dorthin wurden wir vom Schwerverkehr überrascht, der über die Weserbrücke durch Bodenwerder rollte. Eine verdammt gefährliche Strecke – hier würde ich kein Kind frei herumlaufen lassen, da alle Minute ein dicker Brummi an einem vorbeirollte.
Wir haben keine Ahnung, ob dieses Verkehrsaufkommen direkt neben dem Münchhausen Museum nur temporär ist. Eine provisorisch eingerichtete Ampel am Zebrastreifen lässt darauf schließen. Könnte aber auch sein, dass die Stadtverwaltung mit dieser Ampel auf ein erhöhtes Verkehrsaufkommen reagiert hat.
Man verstand auf der Straße wegen des Verkehrslärms jedenfalls kein Wort mehr und fühlte sich in die 70er Jahre zurückversetzt, als das Straßennetz noch nicht so ausgebaut war wie heute und die Schwertransporter ständig durch die kleinen Ortschaften fuhren.
Die Rodelbahn war jedenfalls klasse! Zweimal sind wir die 950m lange Strecke in den Bobs heruntergefahren und hatten richtig Spaß.
Nach diesem Tag haben wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Münchhausenstadt gemacht und in einem italienischen Restaurant gegessen. Dort saßen wir am Weserufer und konnten zwei Paraglidern zusehen, wie sie aus dem Berg kommend direkt an der Weser gelandet sind.
Obwohl wir früh ins Bett gegangen sind, konnten wir vor Erschöpfung nicht einschlafen.
Im vierten und letzten Teil der Reisebeschreibung werde ich berichten, was wir noch Unerfreuliches in Bodenwerder erlebt haben und wie es zurück nach Bremen ging. Ein Fazit soll natürlich auch nicht fehlen.






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