Weserradweg: Bad Karlshafen (2/4)
von musicampus | 23. Mai 2009 | 18:06 Uhr | Artikel drucken
Der zweite Tag unserer Weserradtour begann morgens mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel Aegidienhof. Die Auswahl war richtig gut und es fehlte uns an nichts. Es gab Brötchen, Müsli, Eier, Saft, Auflage satt und Käse. Gut gestärkt packten wir unsere Räder und kamen noch ins Gespräch mit der Inhaberin, die uns erzählte, dass das Hotel eine Ruine war, als sie es übernahm. In größtenteils Eigenleistung wurde das Gebäude saniert und zum Hotel um- und ausgebaut. Insgesamt fühlten wir uns in diesem Hotel sehr gut aufgehoben und das Preis-Leistungsverhältnis war ausgesprochen gut. Frau Freund war noch so nett, uns eine Empfehlung für unser Tagesziel Bad Karlshafen mitzugeben. Sie empfahl uns noch die Pension Haus am Königsberg, die radfahrerfreundlich und sehr außergewöhnlich sei. Mit dieser Empehlung machten wir uns auf den Weg der ersten Etappe mit dem Ziel Bad Karlshafen. Gut, dass wir noch nicht wussten, was uns an diesem Tag erwartete.
Ich habe auch wieder ein paar Fotos online gestellt, die über einen Klick auf das Foto oben angezeigt werden.
Vorbei am Weserstein fuhren wir ca. 12 km bis nach Hemeln, wo wir mit einer Gierseilfähre die Weser überquerten, um uns auf den Weg in den Reinhardswald zu machen. Dort befindet sich die Sababurg – auch bekannt als Dornröschenschloss an der Märchenstraße. Eine besondere Attraktion ist der dort gelegene Tierpark, den ich vor ca. 28 Jahren einmal besucht habe. Der Admartinator war übrigens kürzlich dort, um sich von Weißkopfseeadlern foppen zu lassen.
Der Anstieg von Veckerhagen in den Reinhardswald war nicht von schlechten Eltern. Nicht nur, dass es einige Kilometer steil bergauf ging: es gab auch keinen Radweg. So waren wir gezwungen, auf der ziemlich stark befahrenen Straße gegen die Schwerkraft anzukämpfen. Irgendwann wurden wir bezwungen und stiegen ab, um den Kamm schiebend zu erreichen. Es war ein sehr ungutes Gefühl, auf einer Straße zu laufen, die wir uns mit Langholztransportern und anderen Lkw teilen mussten, die teilweise nicht viel Abstand hielten. Ehrlich: hätten wir gewusst, wie es um die Strecke bestellt ist, wären wir sicher nicht zur Sababurg gefahren.
Glücklicherweise war es auf unserer gesamten Radtour warm und sonnig (Sonnencreme hatten wir mitgenommen und sogar am ersten Tag benutzt). Das hatte an diesem Tag aber zur Folge, dass wir schwerst transpirierend auf dem Berg ankamen und erst einmal rasteten. Zur Klarstellung: ich rastete, und die MixTape-Fee rastete aus. Irgendwann konnte ich sie wieder beruhigen und verständlich machen, dass wir jeden Meter, den wir bergauf erkämpfen mussten, bergab richtig Spaß haben werden. Allerdings war noch aufzuklären, dass die dumme Schnepfe, deren blödes Schloss wir anschauen wollten (und ja, es war meine Idee) nicht tausend, sondern lediglich hundert Jahre geschlafen hatte.
Nach unserer Rast ging es weiter am Friedwald vorbei. Diese Strecke war bereits leicht abschüssig, so dass wir teilweise mit ca. 40 km/h der Sababurg entgegen rollten, die sich nach einer längeren Geraden links auf einem Hügel abzeichnete. Dieser Hügel war glücklicherweise überschaubar und leicht zu erklimmen. Zur Belohnung gab es für uns je ein Stückchen Erdbeerkuchen und eine Apfelschorle. Wir saßen draußen auf der Terrasse und hatten bei strahlendem Sonnenschein einen wunderbaren Blick über den Reinhardswald.
Im Anschluss an die Zwischenmahlzeit bereiteten wir uns auf die vermeintlich leichte Reststrecke vor. Nachdem die Rechnung beglichen war, rollten wir zunächst nach Gottsbüren, wo wir in Ermangelung einer ausreichenden Ausschilderung des Weserradwegs etwas ratlos waren. Nach einer kurzen Nachfrage bei einem Einwohner, der uns seit dem Ortseingang offenbar misstrauisch mit seinem japanischen Kleinwagen gefolgt war, dachten wir, wir hätten den richtigen Weg gefunden.
Wohlwissend, dass hinter Gottsbüren die asphaltierte Radwanderstrecke beendet sein würde, war es uns dennoch suspekt, dass wir auf einem Schlackeweg, der alsbald zu einem Trampelpfad wurde, vorbei an Pferdekoppeln direkt auf eine Hügelkette zu fuhren. Ans Fahren war gar nicht mehr zu denken, so schwierig wurde das Gelände. Also stieg ich ab und ging bis zur nächsten Kurve, hinter der der Weg endete. Wir hatten uns also verfahren.
Wir kehrten um und rollten leicht bergab zurück in Richtung Straße. Dabei lernte ich, dass Pferde auch nur Menschen sind. Ein weißes Pferd hatte offenbar noch nie Radwanderer gesehen und stellte sich neugierig an den Zaun der Koppel, um uns zu beobachten. Dieser führte allerdings Strom und als das Pferd in seiner Neugierde den Zaun berührte, knallte es einmal heftig. Darüber geriet das Pferd in helle Aufregung, bäumte sich auf, wieherte und galoppierte dreimal laut flatulierend davon. Letzteres erstaunte wiederum mich so sehr, dass ich beinahe vom Rad gefallen wäre.
Nach diesem lehrreichen Erlebnis fanden wir den richtigen Weg wieder und mussten erneut einen schweren Anstieg hinter uns bringen. Danach ging es allerdings bis ins ca. 6,5 km entfernte Wülmersen stetig bergab. Entlang eines kleinen Flusses radelten wir mitten im Wald über den dann tatsächlich unbefestigten Weg. Am Ende dieses Wegs befand sich das Wasserschloss Wülmersen, das einst als völlig verfallene Ruine im Rahmen eines Projekts saniert und restauriert wurde.
Von hier aus ging es dann weiter in Richtung Bad Karlshafen. Die letzten Kilometer waren nicht mehr sehr anstrengend, allerdings übersah ich, dass wir unser Tagesziel schneller erreichten als gedacht. Die MixTape-Fee war es, die mich durch einen beherzten Ruf dazu bewegte, anzuhalten. Wir standen bereits vor der Pension Haus am Königsberg: ein altes Herrenhaus, das in einen alten Steinbruch gebaut war. Was mich etwas abschreckte war, dass ich zunächst einige Treppen steigen musste, bis ich zur Haustür gelangte – von Garagen für die Räder war weit und breit noch nichts zu sehen.
Frau Scherff, die Betreiberin der Pension, öffnete die Tür und hatte auf meine Nachfrage glücklicherweise noch ein Doppelzimmer frei. Auch meine Befürchtungen, dass wir die Räder die Treppen hätten hochtragen müssen, erwiesen sich als unbegründet. Wir konnten die Höhenmeter durch einen erneuten steilen Anstieg fahrender Weise überbrücken. So checkten wir ein und erfuhren nebenbei, dass wir nur ca. 4 min Fußweg von der Innenstadt entfernt wohnten. Außerdem hatte Frau Scherff die gute Idee, dass wir in die Weserbergland-Therme gehen sollten. Dort werde heiße Sole mit Weserwasser vermischt und dies sei gut zur Regeneration.
Es muss noch bemerkt werden, dass die Pension ein Traum nicht nur für jeden Radfahrer ist: es gibt eine Unterstellmöglichkeit für die Räder und die Zimmer sind liebevoll und stilsicher eingerichtet. Genauso verhält es sich mit der Einrichtung des Herrenhauses. Von den vier Stockwerken haben wir zwar nur zwei gesehen, aber ich bin mir sicher, dass auch die anderen Räume entsprechend geschmackvoll eingerichtet wurden. Zudem ist Frau Scherff eine sehr freundliche und hilfsbereite Frau, die aufgeschlossen den Fragen zum Haus gegenübersteht.
Eigentlich wollte ich auf den Hugenottenturm, den ich schon einmal bestiegen hatte. Aber in Anbetracht der an diesem Tage bereits absolvierten Anstiege und des sich leicht bemerkbar machenden Popos stimmte ich dem Wunsch der MixTape-Fee zu, die Therme zu besuchen.
So machten wir uns auf den Weg und kamen am alten Hafen vorbei, in dem noch mindestens genau so viele Fische (Karpfen?) schwammen, wie ich es vom ersten Besuch 1981 in Erinnerung hatte. Nach ein paar Minuten erreichten wir die Therme, wo wir zunächst unseren Hunger stillten.
Danach ging es direkt in die Solebäder. Drei verschiedene Konzentrationen gibt es: 3%, 5% und 12%. Wir haben sie alle probiert und ich muss sagen, dass das Bad mit der 12%igen Konzentration das interessanteste ist. Offenbar gibt es in Deutschland kein Bad, in dem es eine höhere Konzentration gibt. Das Gefühl, das man erlebt, war aussergewöhnlich: fast schwerelos liegt man im Wasser und kann seine lädierten Waden und Oberschenkel entspannen. Lediglich sollte man keine offenen Wunden haben, die brennen wie Feuer. Selbst die Wunden der täglichen Rasur machen sich sofort bemerkbar, wenn die Sole damit in Berührung kommt. Aber das Gefühl der Schwerelosigkeit ist unbeschreiblich.
Neben den verschiedenen Solekonzentrationen gibt es noch einen Strömungskanal, Whirlpools, einen Saunabereich und eine Meditationshöhle – wenn man das Dreistundenprogramm bucht, hat man dementsprechend viele Möglichkeiten, die Zeit zu nutzen.
Wir sind nach gut zwei Stunden gegangen und haben uns rechtzeitig gebettet, damit wir für den kommenden Tag fit waren.
Im dritten Teil der Reisebeschreibung werde ich berichten, wie wir den anstrengendsten Tag hinter uns brachten und Bodenwerder auf eine ganz besondere Art kennen gelernt haben.






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